Aufsichtsrat Artikel
Ämterhäufung von Aufsichtsräten

"Es besteht die Gefahr, sich nicht ausreichend mit dem Mandat auseinander setzen zu können"

11.02.2016 - Corporate Governance

Herr Dr. v. Preen, einige Investoren beklagen, dass einzelne Aufsichtsräte – und insbesondere Aufsichtsrätinnen – Mandate anhäufen und in mehreren Kontrollgremien aktiv sind. Können Sie diesen Trend bestätigen?


Der Trend – insbesondere bei großen internationalen Unternehmen sowie den Dax-Konzernen – ist in der Tat, auf 'bewährte und mit Erfahrung ausgezeichnete' Kompetenzträgerinnen und -träger zurück zu greifen. Bei kleineren AGs sehen wir zur Zeit jedoch – insbesondere durch die Aufhebung der 'Dreiteilbarkeit' bei der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder – die Entwicklung, dass  Frauen ohne bisherige Aufsichtsrats-Erfahrung und auch Spezialkompetenzträgern, zum Beispiel mit Digital-Know-how, nunmehr aktiv eine Chance bekommen.


Welche Gefahren birgt die Ämterhäufung?


Die Ämterhäufung in der heutigen Zeit birgt die Gefahr, sich nicht ausreichen mit dem Mandat auseinander setzen zu können. Neben den häufig noch normalen beruflichen Herausforderungen (on the job) muss man heute in den sehr professionellen Aufsichtsräten für eine normale Mitgliedschaft ca. 20 Arbeitstage rechnen. Im Mittelstand und in kleineren Unternehmen ist der Arbeitsaufwand aber in den allermeisten Fällen deutlich geringer. Zudem muss man bedenken, dass der Arbeitsaufwand eines ordentlichen Aufsichtsratsmitglieds noch einmal erheblich unter dem eines Aufsichtsratsvorsitzenden liegt. Man muss also sehr genau hinsehen, bevor man ein Urteil darüber fällen kann, ob eine Person gegebenenfalls zu viele Mandate ausübt.


Was können die Konzerne tun, um ihren Kritikern kurzfristig zu begegnen und langfristige Lösungen zu finden?


Mittel- und langfristig müssen Unternehmen bei der Besetzung offener Mandate aber einfach mutiger werden und auch mal neue Wege gehen. Auch wenn sich die Zeiten langsam ändern, erfolgt die Auswahl von Kandidaten für den Aufsichtsrat häufig noch über das persönliche Netzwerk der Aufsichtsratsmitglieder.  Konzerne sollten sich aber auch intern intensiv mit der Entwicklung geeigneter Kandidatinnen beschäftigen. Häufig können erste Mandate bei Konzerntöchtern bereit gestellt werden, die eine praktische Qualifizierung ermöglichen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auf diese Fragestellung hin spezialisierte Anbieter die sicher unterstützen können. Auch Kienbaum verfügt mit Board Services und Female Desk über eine umfangreiche Datenbank, in welcher auf unterschiedlich Aufsichtsratsprofile hin, zum Beispiel Financial Expert, Digitalisierungsexperte, HR-Experte, geprüfte sehr qualifizierte Frauen vermittelt werden können.

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