Biz Ops
Mit BizOps Agil auf die nächste Ebene heben

All-Agile Company

08.05.2018

Mit BizOps zur All-Agile-Company

Aktuell sind es vor allem Unternehmen aus der Tech-Szene, die BizOps in einem hohen Reifegrad nutzen. Die Namen reichen von Google über Salesforce bis hin zu LinkedIn und Dropbox. Kienbaum erläutert, wie sich jedoch auch Unternehmen anderer Branchen auf den Weg zur All-Agile-Company machen können.

Die IT-Funktion agiler auszurichten, steht bei vielen CIOs auf der Agenda. Über agile Softwareentwicklung, agiles Projektmanagement und DevOps wird dabei versucht, besser und schneller auf die Anforderungen des Marktes zu reagieren. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass der IT-Kunde frühzeitig in Prozesse einbezogen und die Zusammenarbeit zwischen Teams verbessert wird. So zielt DevOps etwa darauf ab, die beiden Silos Softwareentwicklung und IT-Betrieb bewusst aufzubrechen und eng miteinander zu verzahnen. 

BizOps hebt diesen Gedanken nun auf die nächste Ebene. Denn es geht nicht länger um eine agile IT allein, sondern um bessere und schnellere Ergebnisse im Unternehmen insgesamt. All-Agile-Company ist das neue Ziel – und BizOps ein wesentlicher Schritt dorthin.

Aufgaben von BizOps-Teams

Was genau verbirgt sich nun hinter BizOps und welche konkreten Aufgaben übernehmen BizOps-Teams? Nehmen wir den Begriff als Ausgangspunkt, dann steht „BizOps“ zunächst für eine stärkere Verzahnung von Business und IT. Beide Bereiche verfügen typischerweise über eigene Kerntreiber und Ziele, die sich nicht immer optimal decken oder ergänzen. BizOps versucht hier gezielt eine Brücke zu bauen und über ein Team die IT mit den restlichen Unternehmensbereichen zu verbinden – von Procurement bis Sales. Gleichzeitig ist BizOps jedoch nicht nur eine Methode oder ein Team allein, sondern wird im Idealfall vielmehr Teil einer Unternehmenskultur, die Agilität und Zusammenarbeit als selbstverständlich betrachtet.

Kernaufgabe eines BizOps-Teams ist es, Entscheidungen im Unternehmen zu optimieren und zu beschleunigen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Einsatz von intelligenten und entscheidungsrelevanten Metriken. Die entscheidende Frage lautet, welche IT-Metriken decken sich mit wichtigen Ergebnissen auf der Business-Seite und sollten daher herangezogen, analysiert und zur Unterstützung von Entscheidungen genutzt werden. Schlüssel zum Erfolg sind an dieser Stelle jedoch nicht die Metriken allein, sondern vor allem auch die Geschwindigkeit ihrer Verarbeitung und Nutzung im Unternehmen. Big Data, Real-Time Analytics und agile Methoden sind daher als Grundlage und Enabler von BizOps zu betrachten. 

Doch welche Aufgaben übernehmen BizOps-Teams nun konkret? In der Praxis kann hier eine große Bandbreite beobachtet werden – von der Unterstützung täglicher Arbeit von Fachabteilungen bis hin zu höchst spezifischen Themen.

Zum einen können BizOps-Teams an wichtigen strategischen Fragestellungen mitarbeiten und sich in enger Zusammenarbeit mit dem Top-Management an der Festlegung der Unternehmensstrategie sowie entsprechender Initiativen beteiligen. Die BizOps-Aktivitäten sind in diesem Zusammenhang eher holistisch und durch der Einsatz zahlreicher unterschiedlicher Metriken geprägt. Bei Dropbox etwa hilft das BizOps-Team bei der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie und unterstützt entsprechende Entscheidungen durch gezielte Einblicke in relevante Märkte, Wettbewerber und Geschäftstrends. BizOps-Teams können jedoch zum anderen auch an sehr spezifischen Themen arbeiten. So werden bei Facebook etwa kleine Teams von BizOps-Experten direkt aus den Finanzteams der wichtigsten Geschäftseinheiten rekrutiert und anschließend mit spezifischen finanznahen Themen betraut. Hierzu zählen unter anderem Aufgaben in den Bereichen Finanzberichterstattung, Leistungsprognose, Benchmarking und statistische Modellierung.

BizOps als stärkere Zusammenführung von Business und IT

BizOps als stärkere Zusammenführung von Business und IT

Optionen der Implementierung von BizOps

Nachdem wir die Aufgaben eines BizOps-Teams umrissenhaben, sollen nun Optionen der Implementierung im Unternehmen betrachtet werden. Wenngleich sich hierbei unzählige Möglichkeiten bieten, wollen wir vor allem zwei wesentliche Entscheidungen bzw. Dimensionen unterscheiden.

In der Dimension „Inhaltlicher Scope“ ist zunächst die Frage zu beantworten, was das BizOps-Team tun soll. Im Kern wird dabei entschieden, ob das Team einen starken Fokus auf spezifische Themen hat oder bewusst breit aufstellt wird, um eine große Bandbreite an Themen im Unternehmen abdecken zu können.

In der zweiten Dimension „Organisation“ ist anschließend zu klären, wo das BizOps-Team organisatorisch verankert ist. Hier besteht zum einen die Möglichkeit, ein Team aufzubauen, das direkt innerhalb eines Fach- oder Geschäftsbereichs „dezentral“ verankert wird. Zum anderen besteht jedoch auch die Option, das Team außerhalb der Fach- oder Geschäftsbereiche eigenständig und „zentral“ zu verorten.

Auf Basis der beiden beschriebenen Dimensionen entsteht eine Matrix, nach der sich vier grundsätzliche Typen einer BizOps-Implementierung unterschieden lassen:

Typ 1 – Space Station: Bei dieser Option wird das Biz- Ops-Team zentral verankert und mit einem breiten Feld potentieller Themen betraut. Von Vorteil ist in diesem Fall vor allem die große Flexibilität, mit der ein solches Team eingesetzt und auch kurzfristig auf akute Themen gesetzt werden kann. Aufgrund der Zentralität ist zudem eine weitgehende funktions- bzw. bereichsübergreifende Objektivität gewährleistet.

Typ 2 – Private Jet: In der zweiten Implementierungsoption wird das BizOps-Team bewusst dezentral in einem Fach- oder Geschäftsbereich platziert und dort thematisch breit eingesetzt. Im Unterschied zur vorherigen Option kann hierbei verstärkt dezentrales Know-how aufgebaut und gewinnbringend in die Bearbeitung von Themen eingebracht werden.

Typ 3 – Hydroplane: Option 3 verbindet die dezentrale Verankerung mit einem gezielten Fokus auf spezifische Themen. In diesem Fall erfolgt eine maximale Spezialisierung des BizOps-Teams, da sowohl dezentrales als auch themenspezifisches Know-how aufgebaut und genutzt wird. Während dies eine sehr gezielte Wirkung ermöglicht, reduziert es allerdings deutlich die allgemeine Flexibilität.

Typ 4 – Jet Fighter: In der vierten Option wird das Biz- Ops-Team zentral aufgebaut und gleichzeitig auf ein spezifisches Themenfeld ausgerichtet. Ähnlich einem Center of Excellence werden hierbei Effekte einer themenspezifischen Spezialisierung generiert und mit einer funktions bzw. bereichsübergreifenden Objektivität kombiniert.


Optionen der Implementierung und Ausrichtung von BizOps Teams

Optionen der Implementierung und Ausrichtung von BizOps Teams

Fähigkeiten von BizOps-Mitarbeitern

Damit die Implementierung eines BizOps-Teams erfolgreich verläuft, ist des Weiteren die Frage nach den notwendigen Fähigkeiten des Teams zu adressieren. Wie sieht er also aus, der ideale BizOps-Mitarbeiter?

Da BizOps viel interdisziplinäres Wissen und Know-how verlangt, sollte der geeignete Mitarbeiter eher Generalist als Spezialist sein. So ist es etwa wichtig, dass er oder sie sowohl über Business als auch IT-bezogenes Know-how verfügt, um auf dieser Basis eine effektive Brücke zwischen beiden Bereichen bilden zu können. Entscheidend ist des Weiteren, dass BizOps-Mitarbeiter starke analytische sowie datenbezogene Skills mitbringen und diese mit einer agilen Denk- und Vorgehensweise kombinieren. Denn wie eingangs bereits erwähnt, geht es bei BizOps auch um Geschwindigkeit bzw. die schnelle Umsetzung von Entscheidungen. Um innerhalb des Unternehmens das notwendige Momentum generieren zu können, sollten BizOps-Mitarbeiter daher auch über eine ausgeprägte emotionale Intelligenz verfügen.

Geeignete Kandidaten lassen sich in der Regel in Unternehmen und Branchen finden, die ebenfalls auf der Suche nach High Potentials sind. Klassische Beispiele hierfür wären etwa Banking oder Consulting. BizOps-Mitarbeiter können jedoch auch aus Startups rekrutiert werden, da dort häufig eine passende Mentalität vorherrscht und etwa generalistisches sowie agiles Arbeiten quasi Standard sind.

Ideale Fähigkeiten eines BizOps-Mitarbeiters

Ideale Fähigkeiten eines BizOps-Mitarbeiters

BizOps als Trend und Chancen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass BizOps-Teams auch außerhalb der Tech-Szene zunehmend eingesetzt werden, um Unternehmen agiler zu machen. Wurden agile Konzepte bisher vor allem innerhalb der IT implementiert, geht BizOps den entscheidenden Schritt weiter und zielt auf bessere und schnellere Entscheidungen im gesamten Unternehmen. Für das Unternehmen steigen damit nicht nur die Chancen, sich in dynamischen Märkten zu behaupten, sondern vor allem auch die eigene digitale Transformation erfolgreich zu treiben. Voraussetzung für ein effektives BizOps-Team sind dabei insbesondere die passende Implementierung sowie die Auswahl von Mitarbeitern. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass BizOps auch den gewünschten Mehrwert generiert und den Wandel zur All-Agile-Company beschleunigt.

Kienbaum Insights The CIO.

Ausgabe 5, Mai 2018

Lesen Sie in der gesamten Ausgabe über die Weiterentwicklung von DevOps zu BizOps und warum Rightsourcing das neue Outsourcing ist.

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