Kulturwandel Artikel
#BeyondConsulting

Augenhöhe herstellen

18.09.2017

Die Debatte um die Zukunft der Beratung, die durch die #BeyondConsulting-Blogparade initiiert wurde, ist wichtig, weil Beratungen vor Veränderungen nicht gefeit sind und die Auseinandersetzung mit zukünftigen Herausforderungen den Sinn für das Wesentliche schärft: den Faktor Mensch, das größte Vermögen von Organisationen im Allgemeinen, von Beratungen aber natürlich noch einmal im besonderen Maße.
Vorab: Ich unterstütze die Thesen vollumfänglich, möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, einige Punkte zu vertiefen und zu akzentuieren.

#1: Flache Hierarchien erfordern Augenhöhekultur

In vielen Beratungen werden derzeit neue Organisationsmodelle lebendig diskutiert. Zum einen wollen sich Consultants richtigerweise noch agiler im Sinne des perfekten Kundenergebnisses à la „Best Team to the Client“ aufstellen. Zum anderen müssen sie dem Umstand Rechnung tragen, dass sich Führung im digitalen Zeitalter auch in ihren Organisationen elementar verändert. Die Herausforderung, die damit einhergeht, ist, dass den Veränderungen häufig rein organisationsseitig versucht wird, beizukommen, d.h. mit dem Aufbrechen von Geschäftsbereichssilos hin zur Etablierung einer Netzwerkorganisation, teilweise unter Einbezug Externer (siehe Thesen 2 und 3). Disziplinarische Führungsverantwortungen bleiben jedoch häufig bei kleineren Häusern unverändert, was Vorteile, aber im Sinne von (mentaler) Agilität ebenso Nachteile mit sich bringen kann. In diesen Phasen empfiehlt es sich, einen kritischen Blick auf die eigene Unternehmenskultur zu werfen. Wie ist denn die erlebte Kultur? Kurzum: Es geht um Vertrauen über alle Joblevel hinweg, um die nötige Freiheit bei gleichzeitiger Sicherheit und um zwischenmenschliche Wertschätzung.

Eine benötigte Augenhöhekultur wächst organisch und kann natürlich nicht verordnet werden. Viele Consultingfirmen leben von der Seniorität ihrer BeraterInnen und einem dazugehörigen Leistungsdruck. Deshalb ist das Top-Management gefragt, daraus eine gesunde Mischung aus Performancedruck auf der einen und Wertschätzung verbunden mit Einbindung auf der anderen Seite zu etablieren. Die Führungsmannschaft muss aus Überzeugung dauerhaft als Vorbild dienen, Vertrauen und persönlichen Austausch leben. Ich halte die Kulturfrage für absolut entscheidend und erfolgskritisch. Ohne New Leadership, no new Culture, aber die braucht es jetzt dringender denn je.

#2: Karrieren trotz, oder gerade wegen Augenhöhe ermöglichen

Viele Berater-Laufbahnmodelle waren einfach: Up or out. Aufwärts ging es für die Highperformer, die für Umsatz gesorgt und auch mal die Ellenbogen ausgefahren haben. Opfer dieses Systems konnten dann schnell die die stilleren Teamplayer, sensibleren Typen und die Kreativen werden. Genau diesen Typus braucht es aber jetzt, denn wenn wir von der Zukunft des Consulting im Sinne eines kreativen Kollaborationsplattform-Anbieters sprechen, dann müssen auch Querdenker, Kreative und Familienmenschen, die bewusst weniger Zeit mit Arbeit verbringen wollen, eine faire Chance bekommen.

Erfahrene Berater, die sich bereits heute auf Partner-Level bewegen, werden ihre Wichtigkeit zukünftig halten. Zusätzlich müssen Laufbahnmodelle aber auch für all diejenigen mitentworfen werden, die nicht zwangsläufig nur den Weg an die Spitze anstreben. Einen spannenden Weg verfolgt in diesem Kontext das Beratungshaus d-fine, das bewusst unterschiedlich-zugeschnittene Karrierewege anbietet, je nach Bedürfnis.  

#3: Mit dem Kunden auf Augenhöhe arbeiten

Niemand mag Besserwisser. Und Herrschaftswissen mutet irgendwie auch altmodisch an. Berater verstehen und erleben immer mehr, dass man Kunden nicht das Blaue vom Himmel versprechen und dann 0815-Standardlösungen abliefern kann. Das merken Berater bereits heute im Pitch um Projektausschreibungen: Die Kunden sind mindestens so gut aufgestellt wie sie selbst und suchen mehr nach Austausch und dem gesunden, wichtigen Blick von außen.

Meiner Meinung nach muss Augenhöhe zwischen Klient und Consultant auch aus der internen, sinngetriebenen Kultur der Beratungsfirmen resultieren. Denn Fundament für diese Augenhöhe ist die Haltung, mit der Berater ihren Kunden begegnen. Auf dieser Basis können dann völlig neue Projektansätze gewählt und umgesetzt werden, in denen es für die Berater weniger um das Verwalten von Projektplänen, Statuspräsentationen und Deadlines geht, als um echte Interaktion und Sparring in lebhaften Workshops, die Handlungswillen auf allen Seiten hervorrufen.

Das heißt: Konsequenz beweisen

Wenn Beratungen nun diesen Weg der Augenhöhe als ein Bestandteil innovativen Wandels gehen, dann wird sich als konkretes Ergebnis herausbilden, dass sich die Erlebniswelt intern und nach außen nachhaltig verändert. Entscheidend ist Konsequenz aus Überzeugung.

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