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Führungsebenen unter dem Vorstand profitieren am stärksten

Digitalisierung führt zu Gehaltserhöhungen

10.04.2017 - Digitalisierung

von Dr. Maya Olivares, Dr. Sebastian Pacher und Dr. Neele Siemer

Massive Marktveränderungen erfordern konsequenterweise ein Umdenken in den Geschäftsmodellen und Prozessen. So stehen viele Unternehmen in den letzten Jahren im Zuge der digitalen Transformation vor der unvermeidlichen Herausforderung, ihre Strukturen zu überdenken und an die sich ständig wechselnden Kundenbedürfnisse anzupassen. Im Rahmen der  Kienbaum Veranstaltungsreihe „Kamingespräche 2017“ sind wir der Frage nachgegangen, wie Digitalisierung, Regulatorik und Öffentlichkeit die Unternehmensführung und -überwachung von morgen beeinflussen. Im Rahmen der Kamingespräche befragt Kienbaum jedes Jahr die Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen zu aktuellen Entwicklungen rund um die Arbeit der Unternehmensorgane. An der Erhebung, die wir im November/Dezember 2016 durchgeführt haben, haben sich knapp 100 Vorstände und Aufsichtsräte beteiligt.

Obwohl die meisten Studienteilnehmer sich einig darüber sind, dass digitale Technologien für sie eine große strategische Rolle spielen, bewerten lediglich 30 Prozent der Studienteilnehmer die eigenen Prozesse und Systeme als tauglich, den digitalen Wandel zu gestalten und umzusetzen. Insbesondere lässt sich aus der Studie ableiten, dass Unternehmen aus der Finanzdienstleistungsbranche (insb. Banken & Versicherungen) häufig in Frage stellen, ob die Prozesslandschaft in ihrem Unternehmen gut gerüstet ist, um den digitalen Wandel zu begleiten. Vor allem in der traditionsreichen und definitionsgemäß risikoaversen Versicherungsbranche, deren Kunden immer anspruchsvoller und dynamischer werden, besteht in Sachen Digitalisierung weiterhin großer Aufholbedarf, auch wenn die Branche die Zeichen der Zeit mittlerweile erkannt hat. Momentan arbeiten viele Versicherungsunternehmen daran, sowohl nach innen (effiziente, standardisierte Prozesse) als auch nach außen (Vertrieb & Produktentwicklung) das Geschäftsmodell dem technisch getriebenen Nutzungsverhalten der Kunden anzupassen. In der Versicherungsbranche wird also zurzeit und in Zukunft viel Geld für eine moderne IT und die Schaffung digitaler Geschäftsmodelle ausgegeben – so hat beispielsweise Ergo-Chef Markus Rieß bekannt gegeben, dass er kräftig in die Digitalisierung investieren will.

Gemäß den Befragungsergebnissen der oben zitierten Kienbaum-Studie gilt die erste Management-Ebene unterhalb des Vorstands als wahrer Treiber des digitalen Wandels, da sie am stärksten in den digitalen Transformationsprozess des Unternehmens involviert ist. Mit anderen Worten: gerade die Führungsebenen unterhalb der Unternehmensleitung nehmen heute knapp vor dem Vorstand und deutlich vor dem Aufsichtsrat eine Schlüsselrolle bei der erfolgreichen Bewältigung der digitalen Transformation ein.

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Spiegelt sich diese Schlüsselrolle auch  in der  Vergütung dieser Funktionen wider? Wenn gerade die Ebenen unterhalb der Unternehmensführung wirklich Haupttreiber der Digitalisierung sind, dann – so unsere Hypothese – müsste auch die Vergütung dieser Funktionen im Zeitverlauf deutlich gestiegen sein. Für diesen Beitrag sind wir dieser Frage nachgegangen. Hierfür haben wir die Vergütungsdaten der Vorstands- sowie der  ersten bis vierten Führungsebene der Versicherungsbranche aus der Kienbaum-Vergütungsdatenbank analysiert. Wir haben insgesamt 368 Beobachtungen auf Vorstandsebene und 861 Beobachtungen auf der ersten bis vierten Ebene unterhalb des Vorstands untersucht.

In der Abbildung 2 ist zum einen der Median der prozentualen Veränderung der Vergütungskomponenten für ausgewählte Ressorts auf der Vorstandsebene von dem Jahr 2015 auf 2016 dargestellt und, zum anderen, die Erhöhung des Medians von 2015 auf 2016 für jede entsprechende Ebene unterhalb des Vorstands. Besonders auffällig ist hier, dass der Median der Veränderung der Grundvergütung bei dem CEO und CFO in der ausgewählten Stichprobe bei vier Prozent liegt und beim Vorstandressort IT null Prozent beträgt. Im Fall des Vorstandsressorts Personal beträgt die Veränderung im Median ebenfalls null Prozent bei allen anderen Ressorts  beträgt die Veränderung des Medians  zwei Prozent (exkludiert der Beobachtungen der bereits genannten Ressorts). Aus unserer Markterfahrung heraus wissen wir, dass Erhöhungen der Vorstandsvergütungen zwischen zwei und fünf Prozent durchaus üblich sind. Die Steigerung der Gesamtdirektvergütung liegt bei zwei Prozent beim CEO, drei Prozent beim CFO und ebenfalls null Prozent im Vorstandsressort IT und Personal.

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Im Gegensatz dazu konnten wir aber verzeichnen, dass bei den Leitern der IT-Abteilungen auf der ersten Ebene der Median der Grundvergütung um 20 Prozent, bzw. der Gesamtbarvergütung um 14 Prozent gestiegen ist. Im Vergleich dazu stieg der Median bei den Leitern Finanzen nur um sieben Prozent in der Grundvergütung (14 Prozent in der Gesamtbarvergütung),  bei allen anderen Funktionen der ersten Führungsebene konnte keine signifikante Steigerung verzeichnet werden. Dafür ist hier jedoch  auf der zweiten bis vierten Ebene unterhalb des Vorstandes eine Steigerung im Median von neun Prozent zu beobachten, wohingegen der Median für die zweite bis vierte Ebene im IT-Bereich kaum eine Steigerung zeigt.



Diese kurze Untersuchung zeigt deutlich, dass die Versicherungsbranche zurzeit vor allem in die Vergütung der IT-Funktionen der ersten Führungsebene investiert, und der strategische Wandel besonders auf dieser Ebene konzeptionell entwickelt und umgesetzt wird. Diese Ergebnisse der Vergütungsanalyse korrelieren somit stark mit den Erkenntnissen aus unserer Umfrage – nämlich, dass die Funktionen der ersten Führungsebene die Treiber des digitalen Wandels sind.

#Digitalisierung #Gehalt #The CIO
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