Menschen machen Unternehmen erfolgreich

Das sind die Faktoren, die wirklich für den Erfolg als Führungskraft entscheidend sind

Frauen und Karriere: Mit strategischen Netzwerken zum Erfolg

08.03.2018

Als Personalberaterin werde ich häufig von Hochschulabsolventinnen gefragt, was das Patentrezept für eine erfolgreiche Karriere sei. Auf meine Nachfrage, was sie für entscheidend beim beruflichen Fortkommen halten, erhalte ich die zumeist aus Karrierefibeln auswendig gelernten Antworten: Fleiß, Ausdauer, Einsatz, Fachlichkeit usw. Diese bekannten Tugenden sind sicher erstrebenswert (so haben es vor allem die Mädchen bereits in der Schule gelernt; nicht umsonst schneiden Mädchen deutlich besser als Jungs in der Schule ab) – sie alleine befähigen jedoch nicht zu einer Top-Position an der Unternehmensspitze. Viel zu selten ist es Frauen bewusst, dass Erfolg sich darin ausdrückt, wie geschickt sie strategische Allianzen im und außerhalb des Unternehmens knüpfen, welche Befürworter sich für einen stark machen und ob der Wille gegeben ist, auch heikle Projekte bzw. Aufgaben zum Erfolg zu führen. Gerade Letzteres zeugt von einem unternehmerischen Geschick und manchmal auch Wagemut, der positiv mit einer erfolgreichen Führungskraft in Verbindung gebracht wird.

Das Sichtbarmachen von Erfolg auch außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen fällt deutschen Managerinnen offenbar schwer. Für mich ist dies auch einer der Gründe, warum wir bei den 160 an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen 93 Prozent Männer als Vorstände haben, die vom Alter, Herkunft und Ausbildung sehr ähnlich sind. Offenbar gibt es in Deutschland mehr Vorstandschefs, die Thomas bzw. Michael heißen (49), als Frauen (46).

Zumindest sagt das die aktuelle Studie der Allbright Stiftung.

Die vier Gründerinnen von IWiL: Alex Iwan, Dr. Natalie Daghles, Sabine Hansen, Petra Schlieter-Gropp (von links nach rechts)

Motiviert durch den im April 2017 von der Kanzlerin initiierten Frauengipfel in Berlin haben wir: Alex Iwan, Gründerin/Inhaberin der Presseagentur textschwester, Petra Schlieter-Gropp, Geschäftsführerin Schlieter & Friends, Dr. Natalie Daghles, Partnerin der renommierten Großkanzlei Latham & Watkins und ich im November vergangenen Jahres mit fünfzehn anderen Unternehmen einen gemeinnützigen Verein: Initiative Women into Leadership e.V., kurz IWiL ins Leben gerufen, der sich die nachhaltige Förderung von Frauen auf der 2. und 3. Führungsebene zum Ziel gesetzt hat. Mit Hilfe eines unternehmensübergreifenden Mentoring-Programms werden weibliche Führungskräfte von Spitzen-Frauen und -Männern fit im strategischen Netzwerken gemacht bzw. individuelle Hilfestellungen in Führungssituationen gegeben.

Für Mitgründerin Alex Iwan Grund genug, sich bei IWiL zu engagieren. So sagt sie:

„Ich habe von Anfang an sehr gute und sehr erfolgreiche Frauen in meinem persönlichen Netzwerk gehabt, wir haben uns gegenseitig gefördert und mit Aufträgen versorgt. Seit Jahren arbeite ich mit Gründerinnen, Geschäftsführerinnen und Topmanagerinnen sehr intensiv auf hohem Niveau zusammen. Ich muss sagen, das hat auch wesentlich zu unserem Erfolg beigetragen, weil wir sehr effizient und zielgerichtet zusammenarbeiten – absolut vertrauensvoll und loyal. Wie bei den Männern, nur dass der Nadelstreifenanzug hier in Stilettos kommt! Genau dieses Transportmittel möchte ich gern gezielt weitergeben an eine junge Generation Frauen.“
Alex Iwan

In die Klasse 2018, die offiziell am 1. März gestartet ist, haben die Mitgliedsunternehmen insgesamt 30 Mentees entsandt, die im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung im Februar zum ersten Mal auf ihre Mentoren trafen und bei der Tandem-Bildung und Auswahl ihres Mentors ein Mitspracherecht haben. Einmal im Quartal sind persönliche Treffen über mehrere Stunden zwischen Mentee und Mentor vorgesehen, um nach einem strukturierten Verfahren relevante Themen zu besprechen. Die Treffen unterliegen einer absoluten Vertraulichkeit und über Inhalte bzw. Ergebnisse werden die Mitgliedsunternehmen nicht informiert. Eine Feedback-Schleife mit dem Tandem durch die Vereinsführung sorgt zudem dafür, dass potentielle Probleme in der Tandembeziehung frühzeitig aufgelöst werden bzw. wenn notwendig, Korrekturen vorgenommen werden können.

Mitbegründerin Dr. Natalie Daghles ist begeistert von den erstklassigen IWiL-Tandems, die ins erste Jahr starten:

„Wir haben eine herausragende Gruppe talentierter und erfolgreicher Mentees im Programm. Als Corporate Partnerin in einer internationalen Wirtschaftskanzlei arbeite ich mit vielen sehr erfolgreichen Führungspersönlichkeiten zusammen und komme international mit Themen wie Führung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Berührung. Der Austausch und Einblick war auch in meiner Karriere für Entscheidungen an bestimmten Weggabelungen wichtig. Das IWiL-Konzept bietet eine tolle Plattform, sich inspirieren zu lassen. Ich finde es großartig, dass sich Spitzen-Frauen und Spitzen-Männer in der Initiative zusammentun, das Thema gemeinsam anzugehen und die bereits erfolgreichen Mentees noch weiter zu bringen.“
Dr. Natalie Daghles

Die geführten Vorgespräche haben gezeigt, dass alle in das Programm nominierten Mentees bereits wichtige Schritte in ihrer beruflichen Karriere gemacht haben, anerkannte Führungspersönlichkeiten im eigenen Unternehmen sind, aber der entscheidende Schritt an die Spitze bislang noch aussteht. Die meisten haben das Thema Karriere und Familie individuell gelöst und binden ihren Partner aktiv in den Familienalltag mit allen seinen Verpflichtungen ein. So ist es ihnen zum Beispiel auch möglich, mal über Nacht von zu Hause weg zu sein oder an wichtigen Präsenzterminen auch zu später oder früher Stunde teilzunehmen. Ihre gezeigte Flexibilität wird auch von ihren Arbeitgebern und ihrem Arbeitsumfeld (Vorgesetzte/Kollegen/Mitarbeiter) honoriert, die ihrerseits flexible Betreuungs- bzw. Abwesenheitszeiten durch Vertretungsregelungen und ortsunabhängiges Arbeiten im Home Office oder von unterwegs möglich machen. Kind und Karriere scheint, anders als in den Medien dargestellt, für diese Gruppe der Managerinnen kein Karrierekiller zu sein und die Mitgliedsunternehmen tun viel dafür, dass Frauen und Männer beides haben können. Alle Frauen haben jedoch deutlich gemacht, dass ihre bisherige Karriere nur mit der aktiven Unterstützung und dem Verständnis des Partners möglich gewesen sei. Daher gilt für mich als wichtigste Regel: „Augen auf bei der Partnerwahl“.

Das beherzigt auch Mitgründerin Petra Schlieter-Gropp und fordert junge Frauen ebenfalls auf, sich frühzeitig Gedanken zu machen, wie und mit wem sie ihr Leben teilen möchten:

„Ja genau, Augen auf! Ich hatte aber nicht nur die Augen auf, sondern auch das Herz! Ich arbeite mit meinem Ehemann zusammen, aber eben auch seit Jahren mit sehr engagierten Frauen, die voller Mut und erfolgreich unternehmerisch unterwegs sind. Ich weiß, was es heißt durchzuhalten und nicht allein zu sein, denn der Weg nach oben ist steinig. Wenn man also auf eine „externe Hürdenabbaustelle“ zugreifen kann und auf den Erfahrungsschatz von gestandenen Businessfrauen – ist das eine super Chance für junge Frauen. Ich teile gern mein Wissen, eine gute Mentorin ist wie eine Zeitmaschine, du kommst schneller ans Ziel. Und da Frauen nie Zeit haben, ist es das Mittel der Wahl!“
Petra Schlieter-Gropp

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