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Mitarbeiter-Engagement: Was deutsche Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter zu motivieren

23.03.2017 - Human Resources Management

Gute und schlechte Nachrichten für deutsche Arbeitgeber: Arbeitnehmer schätzen die wirtschaftliche Situation in Deutschland größtenteils positiv ein und das Vertrauen in ihren Arbeitgeber bleibt hoch. Das schafft optimale Voraussetzungen für ein gutes Arbeitsklima und zufriedene Mitarbeiter. Allerdings sinkt mit dieser Sicherheit auch schnell der Anreiz für Mitarbeiter, sich überdurchschnittlich für ihr Unternehmen zu engagieren – ganz nach dem Motto „Läuft ja schon!“. Außerdem sehen Mitarbeiter in einer stabilen Wirtschaft die Chance, in attraktivere und besser bezahlte Jobs zu wechseln. Genau deshalb müssen Unternehmen ihre Bemühungen verstärken, ihre Mitarbeiter erfolgreich an sich binden: Nur so bleiben die besten Talente in Zeiten des Fachkräftemangels ihrem Unternehmen treu und Mitarbeiter leistungsstark: zufrieden, motiviert und innovativ.

Mitarbeiterbindung und -Motivation als Ziele
Die Unternehmen müssen sich daher zwei elementare Fragen stellen: Wie kann ich meine Mitarbeiter langfristig binden und wie motiviere ich sie zu überdurchschnittlichen Leistungen? Viele HR-Abteilungen sind sich dieser Herausforderung schon bewusst, so ein Ergebnis der Studie JobTrends 2017 von Kienbaum und dem Staufenbiel Institut. Die Bindung der Mitarbeiter an das eigene Unternehmen steht für HR-Abteilungen in diesem Jahr an erster Stelle. Wie die Studie zeigt, greifen Unternehmen dafür gerne auf Benefits zurück: 91 Prozent der befragten Unternehmen bieten flexible Arbeitszeiten an, auf Platz zwei der am häufigsten angebotenen Benefits liegt die betriebliche Altersvorsorge mit 81 Prozent und auf Platz drei das Homeoffice mit 73 Prozent. Ein Firmen-Smartphone bieten 72 Prozent und einen erfolgsabhängigen Bonus 71 Prozent der befragten Unternehmen an.

Welche Benefits? Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter kennen
Unternehmen müssen sich über die Ansprüche und Wünsche ihrer Mitarbeiter zukünftig im Klaren sein und auf dieser Basis die geeigneten Benefits auswählen und anbieten. Denn ob man Mitarbeiter mit einem Firmenwagen motivieren kann, obwohl sich diese viel eher einen erfolgsabhängigen Bonus wünschen, ist fraglich.

Mitarbeiter-Benefits

Mitarbeiter-Benefits

Aktuelle JobTrends-Studie von Kienbaum und Staufenbiel Institut

Aber nicht nur Benefits können zur Motivation der Mitarbeiter beitragen. Denn neben dem Arbeitsklima und der Unternehmenskultur rücken die individuellen Ansprüche und Aufgaben in den Vordergrund. Unterforderte Mitarbeiter sind automatisch unmotivierter und weniger engagiert als Mitarbeiter, die gefordert und gefördert werden. Unternehmen sind deshalb gut beraten, Seminare und Trainings anzubieten, in denen sich ihre Mitarbeiter weiterbilden können und Talente gezielt fördern werden. Die JobTrends Studie 2017 – ebenfalls von Kienbaum und dem Staufenbiel Institut – ergab, dass viele Chefs dieses Potenzial erkannt haben und ihren Mitarbeitern regelmäßig Weiterbildungsangebote machen: Fast alle Befragten gaben an, dass sie fachliches Training zur Verfügung stellen. Auch Soft-Skills und IT-Schulungen werden mit 86 Prozent und 83 Prozent relativ häufig angeboten. Sprachkurse bieten immerhin zwei von drei Unternehmen an und individuelles Coaching ist in 58 Prozent der befragten Unternehmen eine beliebte Weiterbildungsmaßnahme. Auf den hinteren Plätzen des Rankings der angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten stehen das berufsbegleitende Masterstudium mit 41 Prozent und ein MBA-Studium mit 26 Prozent.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Weiterbildungsmöglichkeiten

Aktuelle JobTrends-Studie von Kienbaum und Staufenbiel Institut

Flexible Arbeit als beliebter Benefit
Ganz im Sinne der Mitarbeitermotivation sollte auch das Konzept der flexiblen Arbeitszeitgestaltung ein Teil der Unternehmenskultur sein. Nicht nur weil flexible Arbeitszeiten für das Arbeiten 4.0 unabdingbar sind, sondern auch weil die neue Mitarbeitergeneration und in erster Linie junge Familien auf flexible Zeiten angewiesen sind. Starre Arbeitszeitenmodelle sind hier fehl am Platz, werden allerdings weiterhin in Unternehmen praktiziert: Laut der JobTrends Studie 2017 bieten 73 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit an, im Home-Office zu arbeiten. 71 Prozent setzen auf Vertrauensarbeitszeit und bei 39 Prozent der befragten Unternehmen können Mitarbeiter ein Sabbatjahr einlegen. 37 Prozent der Firmen setzen hingegen auf ein Arbeitskonto und zwölf Prozent auf ein Lebens-Arbeitskonto. Dass sich Unternehmen noch längst nicht ganz auf neue Formen der Arbeitsgestaltung eingelassen haben, zeigt auch die Regelung des Home-Office: Bei 85 Prozent der befragten Unternehmen können Mitarbeiter nur nach Absprache von zu Hause aus arbeiten. Immerhin 32 Prozent gaben an, dass Mitarbeiter auch regelmäßig von zu Hause aus ihre Arbeit erledigen und 25 Prozent überlassen es ihren Mitarbeitern, sich jederzeit für die Arbeit im Home-Office zu entscheiden. 13 Prozent gaben an, dass Mitarbeiter immer von zu Hause aus arbeiten.

Fazit: Kenne deine Pappenheimer
Obwohl sich also die Unternehmen das Thema Mitarbeiterbindung für dieses Jahr ganz oben auf die Agenda geschrieben haben, tun sich hier noch einige Lücken auf. Das Engagement für die Motivation und Bindung der Mitarbeiter ist größtenteils vorhanden, trifft aber nicht immer die Ansprüche der Mitarbeiter: Zwar werden Benefits, Weiterbildungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeitenmodelle schon in vielen Firmen angeboten, allerdings gehen diese teilweise an den Wünschen der Mitarbeiter vorbei. Gerade die jüngere Generation hat ganz andere und neue Ansprüche an ihre Arbeit und ihren Arbeitgeber. Nur Unternehmen, die diese Ansprüche kennen und auf diese eingehen, können ihre besten Mitarbeiter langfristig binden und motivieren.

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