Revolution oder Evolution in der Immobilienwirtschaft?

Nachhaltigkeit und Berufsprofile

Revolution oder Evolution in der Immobilienwirtschaft?

Nachhaltigkeit ist in der Immobilienwirtschaft dank Taxonomie-Verordnung und ESG-Debatte zu einem scheinbar neuen Differenzierungsmerkmal und Aushängeschild geworden, das immer mehr Marktteilnehmer für sich nutzen wollen. Doch haben all diese und weitere Einflüsse auch eine Auswirkung auf die Berufsprofile in der Immobilienwirtschaft? Entstehen gar neue Berufsbilder? Und worauf sollten Unternehmen achten?

Lesedauer: 3 Minuten

Es liegt auf der Hand, dass sich verändernde Parameter in einer Branche Einfluss auf die Beteiligten und deren Aufgaben mit sich bringen. Folglich machen sie also auch eine Erweiterung der Kompetenzen erforderlich. Die Immobilienwirtschaft, die sich des Öfteren mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, eher Nachzügler als Innovationstreiber im direkten Vergleich mit anderen Branchen zu sein, bildet hier keine Ausnahme. Der Umfang der jeweiligen Anpassungen kann dabei sehr unterschiedlich sein und das, was heute dem eigenen Profil noch als neue Kompetenz hinzugefügt wird, ist morgen schon ganz selbstverständlich.

Nehmen wir zum Beispiel die Fähigkeit, im Rahmen einer Videokonferenz eine Präsentation zu halten, und hierbei auch entsprechende Visualisierungen einzubinden: Sie ist heute branchenübergreifend für viele Berufstätige selbstverständlich; war vor der Pandemie eher die Ausnahme, denn die Regel. Auch wenn diese spezifische Kompetenz nur einen sehr kleinen und zugegeben, wahrscheinlich nicht entscheidenden Baustein in der Gesamtbetrachtung eines Profils darstellt, verdeutlicht es doch den grundsätzlichen Gedanken.

Der unter dem Begriff „New Work“ zusammengefasste Wandel der Arbeitswelt im Zeichen von Globalisierung und Digitalisierung, der durch COVID-19 erhebliche Beschleunigung erfahren hat, ist aktuell deutlicher denn je wahrzunehmen. Und er bringt einen weiteren Aspekt hervor, den es zu bedenken gilt. Oftmals sind es eben Faktoren von außen, die eine Anpassung fast schon zwingend erforderlich machen, Stichwort Taxonomie-Verordnung.

Um erkennen zu können, welchen potenziellen Einfluss ein neuer Faktor auf das Unternehmen, die eigenen, oder die Aufgaben der Mitarbeiter haben kann, muss man sich mit diesem auseinandersetzen und erwirbt so ganz nebenbei neues Wissen und baut die eigene Kompetenz aus. Je höher der potenzielle Einfluss, desto höher die Notwendigkeit sich mit diesem auseinanderzusetzen, neue Kompetenzen aufzubauen und sich anzupassen. Man könnte diesem Vorgang als Evolution des Kompetenzprofils bezeichnen, veränderte Anforderungen bringen veränderte Berufsprofile hervor.

Und wenn man die Evolutionstheorie noch etwas weiter bemühen möchte, scheint es mit Blick auf eine unserer Ausgangsfragen nur logisch, dass auch ganz neue Berufsbilder entstehen. Denn eine bekannte Folge der Evolution ist die Entstehung neuer Arten, z.B. eines „Head of Innovation and ESG Operations (m/w/d)“, eines „Sustainability Director (m/w/d)“ oder des schon häufig angeführten „Chief Digital Officer (m/w/d)“.

Bei all den Veränderungen darf jedoch nicht vergessen werden, dass neben den „neuen Arten“, die die (Arbeits)-Welt bereichern und allein schon aufgrund ihrer Neuartigkeit oft im Fokus der Diskussion stehen, auch diejenigen weiterhin sehr gefragt sind, die ihr Profil jeden Tag ein kleines bisschen auf die veränderten Rahmenbedingungen anpassen und seit jeher einen Anteil zur Wertschöpfung in der Branche beitragen.

Dies spiegelt sich auch in den Gesprächen mit unseren Kunden wider, in denen die aktuellen Themen der Zeit immer Beachtung finden, je nach Ausgangslage und konkretem Bedarf aber eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. Im Rahmen unserer Mandate unterstützen wir unsere Auftraggeber bei der Definition der Anforderungen an zukünftige Stelleninhaber:innen und arbeiten gemeinsam heraus, welche sowohl fachlichen als auch persönlichen Kriterien von besonderer Bedeutung für den Erfolg sind, unabhängig davon ob die Rolle eher der „neuen Art“ oder einer bereits bekannten Art zugerechnet werden kann.

So erstaunlich es auf den ersten Blick scheint, die Vielzahl der mit unseren Klienten geführten Gespräche behandeln die klassischen Profile, die immer wieder um kleinere, aber auch größere Kompetenzbausteine erweitert werden. Die wirkliche Revolution bleibt – zumindest bisher – aus, auch wenn man beim Blick in die entsprechenden Medien einen anderen Eindruck gewinnen kann.

Die entscheidende Frage, die sich Unternehmen, Entscheider und Führungskräfte in der Immobilienwirtschaft stellen sollten ist jedoch, wie wir es schaffen, nicht nur auf die Einflüsse von außen zu reagieren und diese bestenfalls zum Vorteil zu nutzen, sondern stattdessen zu agieren, Impulse zu setzen und damit zur Gestaltung der gemeinsamen Zukunft in der Branche, aber auch darüber hinaus beizutragen. Vielleicht wäre dies der erste Schritt auf dem Weg, die Immobilienwirtschaft zu revolutionieren.

Lassen Sie uns hierzu gerne diskutieren.

 

Sollten Sie sich fragen, ob Sie mit Blick auf Ihr Immobilienunternehmen und die darin vertretenen Kompetenzen bereits gut aufgestellt sind, oder bereits einen konkreten Beratungsbedarf identifiziert haben, stehen Ihnen die Expert:innen der Real Estate Practice Group mit ihrer langjährigen Erfahrung und belastbaren Netzwerken in dieser Branche gerne als Ansprechpartner:innen zur Verfügung.

 

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Oliver Rüsing | E-Mail: oliver.ruesing@kienbaum.de  | Tel.: +49 211 96 59-398