I Stock 000000829976 Large
Circular Economy

Zirkuläre Wertschöpfung – Ein Zukunftsmodell für das Land NRW?

08.11.2016 - Transformation

von Nikolaj Böggild und Guido Zinke, Public Management

Volkswirtschaften sind mit der Frage nach einer auch in Zukunft gesicherten Ressourcenverfügbarkeit konfrontiert. Vor allem industrieintensive und leistungsfähige Volkswirtschaften, wie die des Landes Nordrhein-Westfalen, sind im besonderen Maße davon betroffen. Neben dem Schutz und verringertem Einsatz von Ressourcen sind insbesondere deren Wieder- und Weiterverwertung oder -verwendungen mögliche Lösungsansätze. Vor allem die kreislaufstrukturierte stoffliche bzw. energetische Verwertung innerhalb existierender Stoff- und Energieströme setzt nicht nur einen ökologischen Effekt frei, sondern hat auch einen relevanten ökonomischen Effekt. Das Konzept der Circular Economy – oder zirkulären Wertschöpfung – steht daher in den vergangenen Jahren immer prominenter auf den Agenden von Politik und Wirtschaft.


Zirkuläre Wertschöpfung bedeutet, den Wert von Produkten und Materialen so lange wie möglich für die wirtschaftliche Verwertbarkeit – auch in neuen Geschäfts- und Betreibermodellen – zu sichern. Es geht darum, in Kreisläufen – also zirkulär –  zu denken. Am Ende eines Prozesses werden Roh- und Werkstoffe zu Stoffen neuer Kreisläufe. Der Wert  ist im Modell ebenso relevant: Zum einen werden Materialien effizienter genutzt und zum anderen schafft das Modell innovationsbasiertes, qualitatives Wachstum. Bei der Schöpfung geht es um den kreativen Prozess: radikales Infragestellen bisheriger Produkte, Dienstleistungen und Designs, um Kreisläufe zu schaffen und miteinander zu verbinden. Das Konzept trägt dazu bei, das Wirtschaftswachstum von der Rohstoffentnahme zu entkoppeln und dieses effizienter, innovativer und zukunftssicherer zu gestalten. Damit ist zirkuläre Wertschöpfung mehr als Recycling und geht deutlich über die engen Grenzen der Kreislaufwirtschaft hinaus.


Die durch Kienbaum und EPEA - Internationale Umweltforschung GmbH durchgeführte Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen zeigt, dass in Nordrhein-Westfalen Potenziale für eine zirkuläre Wertschöpfung bestehen:

  1. Ein starkes produzierendes Gewerbe mit hoher Abhängigkeit von Rohstoffen, aber auch mit hoher Innovationskraft schafft ein erhebliches Implementationspotenzial.
  2. Dabei ist die Industrie überdurchschnittlich stark durch Wirtschaftszweige geprägt, die in besonderem Maße für eine zirkuläre Wertschöpfung prädestiniert sind. Hierzu zählen etwa die Chemie, Abfallwirtschaft und der Maschinenbau.
  3. Kleinteilige, zumeist inhabergeführte Unternehmensstrukturen sichern eine hohe Flexibilität, um Ansätze einer zirkulären Wertschöpfung zu implementieren. Etliche Unternehmen in NRW haben das Potenzial der zirkulären Wertschöpfung bereits erkannt und verfolgen entsprechende Ansätze. Viele weitere sind zurzeit dabei, zirkuläre Strukturen aufzubauen.

Um das große Potenzial des Modells in Nordrhein-Westfalen zu nutzen, bieten sich verschiedene Optionen auf unterschiedlichen Ebenen an:

  • Unternehmen müssen zirkuläre Wertschöpfung als Ziel definieren, um die Strategie langfristig auf das Modell auszurichten. Zusätzlich gilt es Open Innovation und kollaborative Wertschöpfung aufzubauen oder zu vertiefen. Außerdem sollten die Unternehmen die bestehenden Geschäfts- und Betreibermodelle regelmäßig infragestellen, um neue Ansätze im Sinne der zirkulären Wertschöpfung zu entwickeln und umzusetzen.
  • Auch die öffentliche Verwaltung und die Wirtschaftspolitik sind gefragt. Der rechtliche Rahmen muss die Aspekte einer zirkulären Wertschöpfung berücksichtigen und (Pilot-)Projekte sollten in Kooperation mit der Wissenschaft gefördert werden. Ebenso ist die Etablierung einer Plattform „Zirkuläre Wertschöpfung NRW“ für die Verbreitung des Modells sehr relevant. Hier würden Akteure aktiviert, Vernetzung geschaffen und über die Idee der zirkulären Wertschöpfung informiert.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie zeigt sich, dass eine zirkuläre Wertschöpfung ein Zukunftsthema in NRW ist und sie vor allem Entwicklungschancen für die Unternehmen und regionalen Wirtschaftsstrukturen im Land bietet. Die Studie können Sie auf den Seiten des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW und auch hier bei uns herunterladen.

C2 C Chart

Potenzialanalyse einer zirkulären Wertschöpfung im Land NRW

Studienbericht von Kienbaum und EPEA im Auftrag des Landes NRW

Lesen Sie hier den gesamten Studienbericht über die Potenziale einer zirkulären Wertschöpfung im Land NRW

weiterlesen