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Pressemitteilung

Kienbaum veröffentlicht Studie zur Einführung der Frauenquote in Österreich

Zankapfel Frauenquote: Frauen dafür, Männer dagegen!

  • Männer fürchten um ihre Karrierechancen
  • Aktuelle Situation in Top-Unternehmen ist noch weit von der Quote entfernt
  • Die Lösung liegt im ganzheitlichen Kulturwandel

Wien, 03.08.2017 Kurz vor Einführung der Frauenquote in Österreich gehen die Meinungen von Frauen und Männern zur Quote noch weit auseinander: Die klare Mehrheit der Frauen befürwortet die Einführung einer Frauenquote, während die Männer nahezu geschlossen gegen sie votieren. Das geht aus einer Studie der Personal- und Managementberatung Kienbaum hervor, für die 62 Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Personalleiter österreichischer Großunternehmen befragt wurden. Gleichzeitig hält jedoch rund die Hälfte der Quoten-Gegner eine freiwillige Selbstverpflichtung für das eigene Unternehmen durchaus für sinnvoll.

Nach dem Vorbild der deutschen Rechtslage wird in Österreich ab 2018 eine verpflichtende Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt. Konkret betroffen von dieser Regelung sind Unternehmen mit mehr als 6 Mitgliedern im Aufsichtsrat wenn das Unternehmen mehr als 1.000 Mitarbeitende beschäftigt und die Belegschaft zu mindestens 20 Prozent aus Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmern besteht.

Männer fürchten um ihre Karrierechancen

Während Frauen sich für mehr weibliche Aufsichtsräte und Vorstände aussprechen, weil ihnen ein breiteres Spektrum an Sichtweisen wichtig ist und sie der Ansicht sind, dass eine angemessene Repräsentanz von Frauen in den Unternehmen gesellschaftlich wünschenswert ist, besteht unter den männlichen Befragten immer noch die Befürchtung, dass bei der Einführung einer Frauenquote nicht mehr die Leistung im Vordergrund steht, wenn es um die Besetzung einer Stelle geht. Zumindest im Hinblick auf das Gehalt schätzen zwei Drittel der Studienteilnehmer, dass die Geschlechter schon heute gleich behandelt werden. „Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Ansichten bezüglich der Frauenquote fundamental. Von einer Akzeptanz der Quote durch beide Geschlechter ist Österreich noch weit entfernt", sagt Alfred Berger, Leiter der Studie bei Kienbaum in Wien.

Aktuelle Situation in Top-Unternehmen ist noch weit von der Quote entfernt

Im Topmanagement der österreichischen Wirtschaft gibt es derzeit noch sehr wenige Frauen: Nur 34 der 200 Top-Unternehmen erreicht aktuell die Zielquote von 30 Prozent. Wie die Kienbaum-Studie zeigt, sind einige österreichische Unternehmen jedoch zumindest in ihren Grundzügen bereits auf Frauenförderung und Familienfreundlichkeit eingestellt: Teilzeitmodelle, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und Programme zur Wiedereingliederung nach der Elternzeit gehören bei rund der Hälfte der von Kienbaum untersuchten Unternehmen schon zum Standard. Weitergehende Maßnahmen wie eine betriebliche Kinderbetreuung oder eine Führungsposition in Teilzeit bieten die österreichischen Firmen hingegen derzeit nur selten an.

In befragten Unternehmen klafft große Lücke

Trotz solcher Maßnahmen und Angebote hinken die befragten Unternehmen bei der Frauenquote in den Aufsichtsrat- und Führungspositionen noch deutlich hinterher: Nur zwischen neun und 16 Prozent der Positionen sind derzeit mit Frauen besetzt. Dabei halten die für die Studie befragten Führungskräfte je nach Gremium durchschnittliche Quoten zwischen 24 und 27 Prozent für wünschenswert. Diese Werte liegen jedoch weit entfernt von der aktuellen Situation: Der Gap zwischen aktuellem und Ziel-Wert beträgt im Schnitt elf Prozentpunkte im Aufsichtsrat und 15 Prozentpunkte im Vorstand.

Die Lösung liegt im ganzheitlichen Kulturwandel

Um zu überprüfen, über welche Kompetenzen Aufsichtsräte überhaupt verfügen sollten, hat Kienbaum die ATX-Unternehmen anhand von sechs Kompetenzfeldern untersucht: Die österreichischen Unternehmen sind nach dieser Analyse in den Kompetenzfeldern Diversität und HR noch eher schlecht aufgestellt. Auf einer Skala von null bis vier werden für diese Kompetenzen im Durchschnitt nur 1 bis 1,5 Punkte vergeben. „Es besteht die Notwendigkeit für einen grundlegenden Wandel, der auch mehr genderbezogene Diversität umfassen muss. Dabei geht es nicht nur darum, künftig mehr Frauen zu rekrutieren, sondern es ist vielmehr notwendig, einen grundlegenden Kulturwandel anzustoßen für mehr Diversität im Unternehmen und speziell in Führung und Aufsicht. Hierbei ist das Empowerment der Frauen besonders wichtig", sagt Alfred Berger von Kienbaum.



Redaktion/Verantwortlich für den Inhalt: Saskia Leininger