“Wenn ich jemanden einstelle, stelle ich mir bereits die Frage, wo ich die Person hin entwickle.“

Making The Difference

“Wenn ich jemanden einstelle, stelle ich mir bereits die Frage, wo ich die Person hin entwickle.“

Margarita Mamberger ist CFO bei Elmos Semiconductor, einem Halbleiter-Hersteller für die Automobilindustrie. Im Interview nimmt sie uns mit auf ihre Reise in die Führungsposition. Erfahren Sie, wie sie durch gesunden Pragmatismus und einem leistungsorientieren und gleichzeitig fördernden Führungsstil das Wachstum des Unternehmens vorantreibt.

Kurz und Knapp liebe Rita, was genau bedeutet für Dich Führungsverständnis?

Führung bedeutet für mich Verantwortung für den zugeordneten Bereich zu übernehmen, Mitarbeiter zu stärken und einen wertvollen Beitrag im Unternehmen zu leisten. Der Ansatz meines Führungsstiles ist kooperativ und bodenständig, sehr Hands-on. Genau das ist es, was mich persönlich weitergebracht hat und gut zum Mittelstand passt.

Was hat dich am meisten geprägt auf diesem Weg zur Führungskraft?

Das kulturelle Miteinander ist sehr wichtig – nur so kann man auch in schweren Zeiten gut performen. Ich brauche mein Team hinter mir und ich weiß, dass es niemals mein alleiniger Erfolg, sondern immer der Erfolg des Teams ist. Gerne begleite ich das Team auch bei privaten Abendveranstaltungen und habe immer ein offenes Ohr für die Kolleginnen und Kollegen. Dadurch haben wir ein starkes Team, dass auch in schwierigen Zeiten die Extrameile geht. Ich bin kein Micromanager und lasse viel Raum und Flexibilität. Wichtig ist, dass Mitarbeiter die Chance haben, sich zu entwickeln.

Das sind großartige Beispiele, aber wie gehst Du mit Kollegen um, die vielleicht nicht so gut performen? Gehst Du da dann doch mal ins Micromanagement?

Davon habe ich nicht viele Fälle gehabt. Es ist wichtig, dass die Teams effizient arbeiten. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir unsere Kosten immer im Blick haben, die Administration muss effizient aufgestellt sein. Wenn ein Mitarbeiter nur die Hälfte leistet, muss man überprüfen, woran das liegt. Entweder kann er nicht oder will er nicht. Am „Können“ kann man arbeiten durch zielgerichtete Schulungen. Beim „Wollen“ muss man sich dann genau überlegen, wie man damit umgeht bzw. was die Ursachen sind. Vielleicht findet sich eine andere Tätigkeit im Unternehmen, in der er oder sie auch aufgehen kann.

Was ist Dein USP in der Führung?

Mir wird nachgesagt, dass meine Hands-on Mentalität ein USP wäre – gerade für jemanden, der im Finanzbereich groß geworden ist. Zudem habe ich meine Wurzeln nicht vergessen und kenne mich in allen relevanten Systemen und Vorgängen aus. Damit kann ich das Team immer gut unterstützen. Schwierigkeiten werden schnell und pragmatisch gelöst.

Elmos ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat sich weiterentwickelt. Was sind Deine Erfolgsfaktoren, dass so eine Transformation gelingt?

Besonders wichtig ist ein gutes Projektmanagement. Das Projekt muss richtig strukturiert und aufgesetzt werden, so dass man alle relevanten Kollegen direkt von Anfang an mit an Bord nimmt. Wichtig ist auch während des Projekts kleine Erfolge zu zeigen und den Fortschritt zu teilen. Das kostet zwar viel Zeit, aber das ist der große Erfolgsfaktor. Es schafft Transparenz.

Gerade läuft bei uns ein S4 Hana Migrationsprojekt. Es gibt Projektnamen, Projektlogo und das Change Management Team versendet ca. alle zwei Wochen einen Newsletter, um alle Mitarbeiter über den Fortschritt zu informieren. Das Ganze soll natürlich auch Spaß machen und gleichzeitig Transparenz schaffen. Die Vorteile des neuen Systems werden kommuniziert; es wird aufgezeigt, wie wir Effizienzen heben können und wie flexibel man arbeiten kann. Wenn ich eins gelernt habe, dann dass man sich nicht rein fachlich in das Projekt einstürzen darf, sondern die Menschen mitnehmen muss.

Wie würdest Du den Purpose von Elmos bezeichnen?

Elmos ist auf der grünen Wiese entstanden mit ein paar Mitarbeitern und ist kontinuierlich gewachsen. Jetzt sind wir ein börsennotiertes mittelständisches Unternehmen. Was uns aber ausmacht, ist, dass wir immer noch sehr familiär sind. Jeder streckt eine helfende Hand aus. Wir duzen uns vom Azubi bis zum Vorstand. Das macht es einfach und nahbar. Wenn wir ein akutes Problem haben, dann schaffen wir es, dass wir alle relevanten Kollegen in der nächsten Stunde an einen Tisch bekommen und die Sache besprechen. Für mich ist Elmos eine Familie, die sehr eng miteinander verbunden ist und einen starken Zusammenhalt bietet.

Wie lautet Dein Rezept für Führung in dieser herausfordernden und schnell wandelnden Zeit?

Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Mitarbeiter in diesem sich zuspitzenden Fachkräftemangel zu finden. Um erfolgreich zu sein, braucht man die guten Mitarbeiter und die Aufgabe der Führung ist es, die Mitarbeiter, die gute Arbeitsleistungen erzielen, mitzunehmen, zu fordern und zu fördern. Wenn ich heute jemanden einstelle, stelle ich mir bereits die Frage, wo ich die Person hin entwickeln kann oder was sie noch braucht, um in der Rolle erfolgreich zu sein.

Dafür wird es immer wichtiger, erreichbar und nah zu sein. Sich Zeit für die Mitarbeiter zu nehmen und Transparenz zu schaffen. Ich gehe gerne in die Kantine und setze mich zu irgendeinem Team dazu und plaudere auch über nicht berufliche Themen.

Die Mitarbeiter müssen performen, es muss abgeliefert werden, aber es geht auch gleichzeitig um den Menschen. Freundlich und bestimmt – das macht für mich eine Führungskraft aus.

Woran liegt es Deiner Meinung, dass Frauen oft nicht ganz oben in der Führung stehen?

Ich selbst möchte nie eine Quotenfrau sein, jeder hat bestimmte Qualifikationen und soll anhand dieser eingesetzt werden – egal ob Mann oder Frau. Es herrscht aber immer noch in den Köpfen der Gedanke, dass eine Frau bald Kinder bekommt, wenn sie 30 Jahre alt ist. Das Denken ändert sich, aber nur sehr langsam. Frauen müssen Chancen eingeräumt bekommen, so dass sie beides vereinbaren können. Flexible Lösungen müssen angeboten werden. Meine Erfahrung ist, dass wenn ich Frauen, insbesondere Müttern, Verantwortung übertrage, dass da am Ende immer etwas Gutes bei rauskommt.

Man muss diese Verantwortung natürlich wollen und dann auch tragen und Ergebnisse bringen. Für mich war es immer normal, im Urlaub auch berufliche Gespräche zu führen und an Meetings teilzunehmen. Meine Familie kommt immer an erster Stelle aber an zweiter Stelle der Job und das ist mir bisher immer sehr gut gelungen. Ich mache meinen Job wirklich gerne und mit Leidenschaft. Das ist für mich normal.

Zum Abschluss: Welche drei Personen würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen, um danach noch eine bessere Führungskraft zu werden?

Ich würde meine 23-jährige Tochter mitnehmen. Sie fordert mich jeden Tag heraus. Als Medizinstudentin führe ich ständig Diskussionen mit ihr zu diversen Themen, z.B. Klimawandel und Nachhaltigkeit. Zudem würde ich meinen Mann mitnehmen, der mir viel Rückendeckung gibt und ein guter Zuhörer ist und zuletzt meine Oma, weil sie mir viele Werte, auf denen ich im Leben aufgebaut habe, mitgegeben hat.