Geschäftschancen & Arbeitgeberattraktivität

Internationalität als Erfolgsfaktor im deutschen Mittelstand

9. März 2020 | Von: Felix Bischoff
  • Mehr als die Hälfte der „großen“ Mittelständler ist im Ausland tätig
  • Eine Komponente für den Unternehmenserfolg bildet die Besetzung von Schlüsselpositionen in entlegenen Märkten
  • Die Internationalität des Mittelstands ist vor allem für junge, international ausgebildete Talente attraktiv

 

Als Land mit dem weltweit größten Leistungsbilanzüberschuss und der nach China und den USA drittgrößten Exportnation können die internationalen Aktivitäten Deutschlands als einer der zentralen Erfolgsfaktoren der hiesigen Wirtschaft betrachtet werden. Knapp die Hälfte des Ausfuhrvolumens steuern dabei kleine und mittlere Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro – der Deutsche Mittelstand – bei.

Bei genauerer Betrachtung der Erfolgsgeheimnisse dieser Unternehmen sticht neben einem außerordentlichen Qualitätsanspruch, der langfristig strategischen Ausrichtung und der Innovationsfreude dieser Unternehmenskategorie das Thema Internationalität heraus. Laut KfW-Mittelstandspanel beträgt der Auslandsanteil am Gesamtumsatz im Mittelstand fast 30 Prozent. Obwohl knapp zwei Drittel hiervon im europäischen Ausland erzielt werden, geht das Wachstum an Neugeschäft hauptsächlich auf weiter entfernte Märkte zurück. In besonderem Maße lassen sich internationale Aktivitäten dabei auf die „großen“ Mittelständler (definiert als Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten) zurückführen, von denen mehr als die Hälfte abseits der Heimat aktiv ist. Sie erzielen knapp zwei Drittel des gesamten mittelständischen Auslandsumsatzes.

Sowohl historisch als auch aktuell symbolisiert der damit verbundene Pioniergeist in Form eines frühen Aufbruchs in die Welt einen der Schlüsselfaktoren für geschäftliches Vorankommen. Das schnelle Erschließen neuer Absatzmärkte und die damit verbundene Geschäftsdiversifikation auf der einen sowie die kostenoptimierten und effizienten Produktionsmöglichkeiten auf der anderen Seite bilden hierbei den Rahmen für die beachtliche Dynamik dieses Wirtschaftssektors.

Internationale FlaggenDie Herausforderungen für Unternehmen

Neben den beschriebenen Vorteilen bei den Themen Absatz und Kosten besteht jedoch auch eine Anfälligkeit für Risiken. Die Einführung von Zöllen, geopolitische Verschiebungen, regulatorische Anforderungen und Wechselkursschwankungen stellen nur einige der Aspekte dar, welche bei internationalen Aktivitäten und grenzübergreifenden Lieferketten stets im Auge behalten werden müssen. Neben Brexit, Coronavirus, Trump & Co. müssen auch Fragen zur Gewährleistung von Betriebsgeheimnissen, Patenten und geistigem Eigentum, welche beispielsweise für viele hochtechnologisierte Maschinenbauer eine außerordentlich wichtige Rolle spielen, berücksichtigt werden. Gerade bei Sourcing und Produktion in Fernost und den damit verbundenen Überlegungen zur lokalen Aufstellung gewinnen diese Punkte zur Sicherung einer langfristig führenden Marktposition existentielle Bedeutung.

Des Weiteren stellt insbesondere die Besetzung von Schlüsselpositionen in entlegenen Märkten viele Unternehmen vor Herausforderungen, da sich diese ob ihrer Größe selten auf stabile, gewachsene Strukturen vor Ort verlassen können. Neben der Berücksichtigung „weicher Faktoren“ wie Kultur und Sprache sind daher enge Partnerschaften mit Experten bei den Themen Arbeitsrecht, Besteuerung sowie der Findung, Bewertung und Vergütung von Personal notwendig. Deshalb hat sich eine Reihe oft ebenfalls mittelständisch geprägter Dienstleister herausgebildet, die ihren Kunden bei solchen Fragen im und über den Heimatmarkt hinaus mit Rat und Tat zur Seite stehen. In Verbindung mit der oft hervorragenden Arbeit des weltweiten Außenhandelskammernetzwerks bilden diese eine ideale Infrastruktur, um bei der Internationalisierung begleitend zu beraten.

Internationalität als Attraktivitätsfaktor

Eine überaus positive Begleiterscheinung der internationalen Aufstellung des deutschen Mittelstands ist das Thema Arbeitgeberattraktivität. Bei der Rekrutierung insbesondere junger, international ausgebildeter Talente ist dieser Aspekt zentral. Besonders Hochschulabsolventen, welche im Rahmen ihres Studiums bereits Erfahrungen im Ausland gesammelt haben, sehen den Berufseinstieg oftmals als Sprungbrett für eine transnationale Karriere. Für die Aussicht, international aktiv sein zu können, sind viele Kandidatinnen und Kandidaten bereit, Standorte abseits der großen Städte für ihren Lebensmittelpunkt in Kauf zu nehmen. Dies bestätigt auch Oliver Meywirth, Geschäftsführer von Capitalheads, einem Unternehmen der Kienbaum Gruppe, das sich auf die Rekrutierung von jungen Talenten im Mittelstand spezialisiert hat:

Besonders bei gut ausgebildeten Absolventen und Young Professionals ist die Internationalität des Mittelstands ein Attraktivitätsfaktor. Durch internationale Karriereperspektiven können mittelständische Unternehmen auch in weniger attraktiven Branchen oder an abgelegenen Standorten Nachwuchskräfte an sich binden.“

Ob Sauerland oder Mittelfranken – ein abwechslungsreiches, kulturell vielfältiges Einsatzgebiet durch den täglichen Einsatz von Fremdsprachenkenntnissen und die Möglichkeit zur schnellen Verantwortungsübernahme über die eigenen Landesgrenzen hinweg stellt eine bedeutende Anreicherung des Einsatzgebiets und einen wichtigen Beweggrund für eine Betätigung im Mittelstand dar. Im Wettbewerb um die besten Köpfe kann dieser dank seiner Internationalisierung bestens punkten.

 

Über Kienbaum

Mit 26 Büros in 14 Ländern unterstützt Kienbaum insbesondere auch den deutschen Mittelstand bei allen Fragen rund um die Auswahl von Führungskräften in den wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt. Unsere jahrzehntelange Erfahrung bei der Betreuung deutscher und international agierender Kunden ist die Basis, um rund um den Globus auf die umfassende Exzellenz Kienbaums zu vertrauen.