„Führungskräfte können über Werte enorme Energie freisetzen“

Making the Difference - Top-Leader im Portrait #2

„Führungskräfte können über Werte enorme Energie freisetzen“

Für Frank Notz ist Kommunikation mit den Beschäftigten so zentral wie komplex. Im Interview mit Oliver Grasnick, Kienbaum Principal und Experte für Executive Search im Bereich Industrial und Segmentleiter Automation & Electronics, erklärt der Personalvorstand der Festo SE unter anderem, warum sein Leitsatz lautet: Wenn Sie der Meinung sind, Sie hätten in Veränderungsprozessen genügend kommuniziert, verdoppeln Sie am besten Ihre Anstrengungen!

Lesedauer: 5 Minuten

Lieber Herr Notz, wenn man es auf den Punkt bringen möchte: Wie lautet denn Ihr Führungsverständnis?
Es gibt ein paar Prinzipien, die ich bei dieser Frage herausstellen würde. Neben Ehrlichkeit und Authentizität ist es mir als Führungskraft besonders wichtig, Worten auch Taten folgen zu lassen. Das Credo „Mache die Menschen jeden Tag ein Stück besser“ ist dabei das zentrale Element. Ich sehe in diesem Kontext in einer Führungskraft eher den Coach, der Freiheiten gibt und Unterstützung bietet, als den harten und unnahbaren Manager.

Wer oder was hat Sie auf Ihrem bisherigen Weg geprägt?
Es gab im Laufe der Zeit sicherlich einige prägende Persönlichkeiten, von denen ich lernen, mir Dinge abschauen und einige davon sicher auch übernehmen konnte. Meine Chefs waren für mich immer auch Mentoren und Förderer, von denen ich viele Freiheitsgrade und Möglichkeiten bekam, die mich aber auch gechallengt haben. Wichtig dabei ist, an seine Grenzen zu gehen, diese aber auch zu kennen.

Wie wurden Sie die Führungskraft, die Sie heute sind?
Ein wesentlicher Aspekt sind sicher die zahlreichen unterschiedlichen regionalen und fachlichen Perspektiven, die ich einnehmen durfte. Ich konnte über viele Jahre in den USA, Asien und Europa als Führungskraft in unterschiedlichen Fachbereichen wertvolle Erfahrungen sammeln, die meine Antennen als Führungskraft gestärkt und meine Tool-Box angereichert haben. Grundsätzlich ist es wichtig, dass man über die Jahre einen Führungsstil entwickelt, der zur eigenen Persönlichkeit, aber auch in die Unternehmenskultur passt. Im Kontext von Komplexität und Agilität schadet es dabei auch nicht, situationsspezifisch neue Herangehensweisen zu verproben und für sich zu bewerten.

Lassen Sie uns auf die Herausforderungen für Führungskräfte im Hier und Jetzt blicken. Komplexität und Agilität sind dabei zwei gute Stichworte. Nicht zuletzt die Covid-Pandemie hat uns gezeigt, dass innerhalb kürzester Zeit alles anders sein kann. Wie gelingt Führung in dieser VUCA-Welt und welche Implikationen sehen Sie für den eigenen Führungsstil?
Ich halte es für extrem wichtig, offen für Neues zu sein, Herausforderungen anzunehmen und sich dabei ständig zu reflektieren. Gleichzeitig sollte man auch den Anspruch haben, auf den eigenen Beitrag zu blicken und festzustellen, was man selbst noch besser machen kann. Beispielsweise hat Corona uns gezeigt, dass einige Vorurteile bezüglich Homeoffice unbegründet waren, aber plötzlich andere Anforderungen an die Führungsleistung über Distanz in den Vordergrund stellt. Dabei halte ich es für wichtig, die klassischen Führungswerte wie Vertrauen und Freiheitsgrade auf die neue Rahmenlage zu adaptieren.

Auch in einer Situation maximaler Unsicherheit ist es trotzdem wichtig wirksame Veränderungen anzustoßen. Was macht jemanden zum „Change Maker“, wie gelingt nachhaltige Transformation?
Als aller erstes benötigt man nicht zuletzt in Phasen der Unsicherheit als stabilisierendes Element einen klaren Plan, der die Richtung vorgibt, strategisch relevant und nachhaltig ist. Danach geht es im Wesentlichen um das Vorausgehen, Vorleben und natürlich viel Kommunikation. Mein Leitsatz in diesem Kontext ist: Wenn Sie der Meinung sind, sie hätten in Veränderungsprozessen genügend kommuniziert, verdoppeln Sie am besten Ihre Anstrengungen. Veränderungen brauchen Antworten auf das „Warum?“.

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Gerade in Zeiten von Veränderungen brauchen Menschen und Organisationen Halt und Orientierung. Ein starker Purpose kann hier die Richtung vorgeben. Wie würden Sie den Purpose Ihrer Organisation beschreiben?

Bezogen auf meine HR-Organisation sehe ich hier die Kundenorientierung an erster Stelle. Dabei ist es essenziell jederzeit ansprechbar und präsent zu sein, um den Weg der Mitarbeitenden/Kunden in die Zukunft gut begleiten aber auch richtungsweisend vorgeben zu können.

Gibt es denn ein Rezept für „Führung im New Normal“ und wie sieht es ggf. aus?
Wie bereits vorhin gesagt, denke ich schon, dass es ein paar handlungsleitende Grundprinzipien braucht. Beispielsweise sind Themenfelder wie Umsetzungsstärke, Synchronisation und zukunftsorientiertes Denken und Handeln Aspekte, die wir bei Festo in unseren Führungskräftetrainings in den Vordergrund stellen. Dazu gehört dann sicher auch eine offene, ehrliche und wertschätzende Feedbackkultur.

Mit Blick auf die Zukunft: Welche Haltung und welche Skills werden aus Ihrer Sicht für Führungskräfte essenziell sein, um in Zukunft persönliches Wachstum und auch die erfolgreiche Weiterentwicklung einer Organisation zu ermöglichen?
Neben der Komplexitätsbeherrschung gibt es auch direkte Auswirkungen auf die Führung: Einer Aufgabe oder dem eigenen Handeln einen Sinn geben oder auch Nachhaltigkeit haben heute bei Mitarbeitenden einen deutlich höheren Stellenwert . Auch Worklife Balance wird beispielsweise ganz anders als zu unserem Berufsstart bewertet. Das sind nur einige der Faktoren, die man als Führungskraft im Blick haben muss und im regelmäßigen Austausch mit den Mitarbeitenden individuell adressieren muss. Der Trend aus VUCA lässt sich damit aus meiner Sicht gut beschreiben: Gute Führungskräfte der Zukunft zeichnet insbesondere aus, dass sie sich schnell auf das Unvorhersehbare einstellen und es ebenso schnell beherrschen können.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen, das war sehr interessant und erhellend – bleibt noch eine abschließende Frage: Welche drei Personen würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen, um nach Rückkehr eine noch bessere Führungskraft zu werden?
Das ist eine spannende Frage. Als erstes würde ich Albert Einstein mitnehmen. Nicht nur aufgrund meines Faibles für Physik, sondern weil er zu seinen Lebzeiten unzählige Aussagen über die Zusammenhänge von Menschen und Umwelt, aber auch zu Führung getroffen hat. Als zweiten Begleiter würde ich Simon Sinek wählen. Er hat mich mit seiner Frage nach dem Warum sehr inspiriert, die Dinge gut auf den Punkt gebracht und mich dabei in seiner Simplizität und Intensität sehr beeindruckt. Die dritte Person für meine Reise wäre meine Tochter. Von ihr lerne ich , wie ich junge Menschen erreichen kann und was es an weiteren Tools in meinem Führungswerkzeugkasten bedarf.

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Oliver J. Grasnick | E-Mail: oliver.grasnick@kienbaum.de | Tel.: +49 89 45 87 78-58

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