PublikationKöln, 22.09.2026
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Gehaltsentwicklung: Leistung und Schlüsselrollen rücken stärker in den Fokus

  • Gehälter steigen moderat: Für Deutschland erwarten Unternehmen 2027 Gehaltssteigerungen von durchschnittlich 2,6 Prozent.
  • Arbeitsmarkt entspannt sich: 55 Prozent können offene Stellen leichter besetzen, 26 Prozent beobachten sinkende Gehaltsvorstellungen. Gleichzeitig verliert der Fachkräftemangel als Treiber der Gehaltsentwicklung deutlich an Bedeutung: Nur noch 25 Prozent nennen ihn als Einflussfaktor.
  • Gehaltsbudgets werden gezielter eingesetzt: 48 Prozent konzentrieren Gehaltserhöhungen auf High Performer und Schlüsselpositionen. Gleichzeitig steigt der Kostendruck: 41 Prozent nennen Personalabbau als möglichen Hebel zur Finanzierung höherer Personalkosten.

Die Gehälter in Deutschland werden 2027 voraussichtlich um durchschnittlich 2,6 Prozent steigen. Bei einer prognostizierten Inflation von 2,3 Prozent laut des Internationalen Währungsfonds (IWF) entspricht das einem realen Plus von 0,3 Prozent. Gleichzeitig steigt der Kostendruck: 41 Prozent der Unternehmen in Deutschland nennen Personalabbau als möglichen Hebel zur Finanzierung steigender Personalkosten. Im Vorjahr waren es 31 Prozent. Das zeigt die aktuelle Gehaltsentwicklungsprognose 2027 von Kienbaum. Für die jährliche Studie wurden 1.039 Datensätze aus Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen ausgewertet. Die Prognose umfasst die erwartete Gehaltsentwicklung in insgesamt 41 Ländern.

Gehaltsbudgets werden gezielter eingesetzt

Trotz des gestiegenen Kostendrucks zeigt sich keine flächendeckende Reduktion der Personalkostenbudgets. Rund vier von fünf Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen ihre Budgets im kommenden Jahr mindestens stabil halten oder erhöhen. Deutliche Kürzungen bleiben die Ausnahme.

„Unternehmen schauen bei der Gehaltsrunde genauer darauf, wo die aktuell eher knappen Mittel tatsächlich eingesetzt werden sollen. Leistung, Schlüsselpositionen und die wirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens gewinnen dabei an Gewicht. Gleichzeitig lässt der breite Druck durch den Fachkräftemangel nach“, sagt Dr. Michael Kind, Partner und Director Compensation & Performance Management bei Kienbaum.

Neben der Höhe der Gehaltssteigerungen zeigt die Studie, wie sich die Prioritäten der Unternehmen verändern. 48 Prozent wollen Gehaltserhöhungen gezielt auf High Performer und Schlüsselpositionen konzentrieren. Zudem wollen 33 Prozent der Unternehmen die anstehende Gehaltsrunde nutzen, um Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern auszugleichen.

Arbeitsmarkt entspannt sich – Lohndruck bleibt bestehen

Der Fachkräftemangel verliert als Treiber der allgemeinen Gehaltsentwicklung deutlich an Bedeutung. Nur noch 25 Prozent der Unternehmen nennen ihn als Einflussfaktor auf die Gehaltsrunde. 2025 waren es noch 52 Prozent. Für die allgemeine Gehaltsrunde ist der Fachkräftemangel damit aktuell kaum noch der Taktgeber.

An erster Stelle steht mit 52 Prozent die individuelle Unternehmensperformance. Die eigene Leistungsfähigkeit des Unternehmens rückt somit in den Fokus, 47 Prozent nennen die allgemeine wirtschaftliche Situation, 40 Prozent die Preisentwicklung.

Die veränderte Gehaltsplanung geht mit einer weiteren Entspannung am Arbeitsmarkt einher. 55 Prozent der Unternehmen geben an, dass offene Stellen leichter zu besetzen sind als vor einem Jahr. In der vorherigen Erhebung waren es 46 Prozent. Auch die Gehaltsvorstellungen von Bewerbenden verändern sich: 26 Prozent der Unternehmen beobachten sinkende Gehaltsforderungen, im Vorjahr waren es 15 Prozent.

Die Entspannung bei der Stellenbesetzung bedeutet jedoch nicht, dass wettbewerbsfähige Vergütung an Bedeutung verliert. 71 Prozent der Unternehmen berichten weiterhin von entsprechendem Druck. „Unternehmen können offene Stellen wieder leichter besetzen. Das heißt aber nicht, dass wettbewerbsfähige Vergütung an Bedeutung verliert. Gerade bei gefragten Kompetenzen und für Leistungsträger bleibt die Frage relevant, wie Unternehmen gezielt attraktive Gehälter anbieten können“, so Kind.

KI gewinnt bei der Finanzierung steigender Gehaltskosten an Bedeutung

Neben Produktivität und Wachstum rückt künstliche Intelligenz stärker in die wirtschaftliche Planung der Unternehmen. 59 Prozent nennen Investitionen in KI als einen Hebel zur Finanzierung steigender Gehaltskosten. Im Vorjahr waren es 43 Prozent. Damit liegt KI inzwischen nahe an den beiden meistgenannten Ansätzen: Produktivitätssteigerungen und Wachstum (65 bzw. 62 Prozent).

In der Vergütungspraxis selbst ist diese Entwicklung bisher deutlich weniger sichtbar. 58 Prozent der Unternehmen investieren aktuell in KI-Weiterbildung, 39 Prozent berücksichtigen KI-Kompetenzen im Recruiting. Bei konkreten Vergütungsentscheidungen spielen entsprechende Kompetenzen bislang jedoch nur bei 5 Prozent der Unternehmen eine Rolle.

„Unternehmen erwarten zunehmend einen wirtschaftlichen Beitrag von KI. Bei Weiterbildung und Recruiting ist das bereits sichtbar, in den Vergütungssystemen bislang kaum. Hier dürfte sich in den kommenden Jahren noch einiges bewegen“, sagt Kind.

Moderate Gehaltsentwicklung im DACH-Vergleich

Im DACH-Vergleich fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. In Österreich werden durchschnittliche Gehaltssteigerungen von 2,9 Prozent bei einer prognostizierten Inflation von 2,6 Prozent laut IWF erwartet. Für die Schweiz liegt die Prognose bei 1,1 Prozent nominal. Aufgrund der deutlich niedrigeren Inflationserwartung von 0,5 Prozent ergibt sich dort jedoch sogar ein reales Plus von 0,6 Prozent und damit ein höherer realer Zuwachs als in Deutschland und Österreich.

Über die Studie

Die Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose erscheint jährlich und untersucht die erwartete Entwicklung der Gehälter sowie zentrale Einflussfaktoren auf die Vergütungsplanung von Unternehmen. Für die Auswertung der Gehaltsentwicklungsprognose 2027 wurden 1.039 Datensätze aus Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen berücksichtigt.  Die quantitative Onlinebefragung bildet die erwartete Gehaltsentwicklung in 41 Ländern ab.

Neben der nominalen Gehaltsentwicklung berücksichtigt Kienbaum die prognostizierte Inflation, um die erwartete reale Gehaltsentwicklung der einzelnen Länder auszuweisen. Darüber hinaus untersucht die Studie unter anderem Einflussfaktoren auf die Gehaltsrunde, die Finanzierung steigender Personalkosten, den verfügbaren Gestaltungsspielraum der Unternehmen sowie Entwicklungen rund um Pay for Performance, Equal Pay und künstliche Intelligenz.

Die vollständige Gehaltsentwicklungsprognose finden Sie unter folgendem Link zur Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose 2027.


Pressekontakt 
Kienbaum Consultants International GmbH
Lucilla Schönauer
presse@kienbaum.de
www.kienbaum.com

Über Kienbaum

Gegründet 1945 ist Kienbaum das erste Beratungshaus Deutschlands und die einzige Personal- und Managementberatung europäischen Ursprungs. Das Unternehmen ist weltweit mit 22 Büros auf vier Kontinenten vertreten. Als Familienunternehmen mit über 600 Mitarbeitenden befähigt Kienbaum Menschen und Organisationen dabei, Potentiale in Fortschritt zu verwandeln, um eine zukunftsfeste Aufstellung einzunehmen: www.kienbaum.com.

Dr. Michael Kind, Partner und Director Compensation & Performance Management

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