Leadership Challenges

Harte Entscheidungen kommunizieren & Emotionen begleiten

3. April 2020 | Von: Lars Thiele
Die Corona-Krise hat die meisten Unternehmen mit voller Wucht getroffen. Viele Unternehmen kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben. In dieser akuten Phase müssen die Verantwortungsträger oft harte Entscheidungen kommunizieren, sei es zum Thema der Kurzarbeit, der Entlassung von Mitarbeitern oder eben auch zu notwendigen Anpassungen der Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe.

Trotz der oftmals hohen Solidarität von Mitarbeitern, die auch wir bei Kienbaum übergreifend erleben, sind bei einem weiteren Verlauf der Krise auch Entscheidungen zu kommunizieren, die Mitarbeiter persönlich sehr hart treffen können.

Ich will dies zum Anlass nehmen und Ihnen einige Ideen und Gedanken anbieten, die Ihnen als Führungskraft die Kommunikation harter Entscheidungen erleichtern und Sie zudem unterstützen sollen, mit den dabei entstehenden Emotionen der Mitarbeiter wie Wut, Trauer und Angst umzugehen.

Eine gute Grundlage bietet in diesem Zusammenhang das Modell der Trauerkurve von Prof. Dr. Kübler-Ross, einer schweizerisch-amerikanischen Psychiaterin, die in ihren langjährigen Studien sehr anschaulich herausgearbeitet hat, dass Menschen die immer gleichen Emotionen durchleben, wenn sie mit einer Wirklichkeit konfrontiert werden, die nicht ihrer individuellen Vorstellungswelt entspricht. Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie und deren Auswirkungen auf unser privates wie auch berufliches Leben ist für die meisten Menschen sicherlich ein sehr passendes Beispiel hierfür.

Was können wir als Führungskräfte tun, um unsere Mitarbeiter in den unterschiedlichen Phasen der Trauerkurve zu begleiten?

Die erste Phase der Trauerkurve ist die sogenannte Verleugnung („Das kann ja wohl alles gar nicht wahr sein!“ oder „Ach was, das Virus schafft es doch eh nicht bis zu uns nach Deutschland!“). Dieser Phase gilt es mit klarer und direkter Kommunikation zu begegnen. In diesem Zusammenhang kommen wir zum wichtigsten Prinzip für das Kommunizieren von Entscheidungen: MESSAGE FIRST.

Wenn Sie eine Entscheidung kommunizieren müssen, empfehle ich Ihnen, zunächst mit einem entsprechend wertschätzenden Gesprächseinstieg zu beginnen. Danach – unabhängig davon, wie unangenehm es Ihnen selbst ist – fokussieren Sie sich darauf, den Mitarbeiter direkt mit der Entscheidung zu konfrontieren.

Starten Sie bitte nicht mit der Begründung der Entscheidung, so wie wir es ggf. in der Schule, in der Ausbildung oder an der Universität gelernt haben – Einleitung, Herleitung, Conclusio.

Nein! Wenn Sie mit der Begründung starten, wird sich ihr Mitarbeiter permanent die Frage stellen, warum Sie ihm all das erzählen. Dies führt womöglich sogar zu irreführenden Gedankengängen. Die Gefahr dabei ist, dass Ihre Kernbotschaft nicht richtig oder gar nicht bei Ihrem Mitarbeiter ankommt und zudem schlimmstenfalls unnötige Ängste entstehen. Deshalb: MESSAGE FIRST!

Ist die Phase der Verleugnung beendet, folgen die emotionalen Phasen der Wut, der Trauer und der Angst, die es selbstverständlich auch in stärkerer und schwächerer Ausprägung geben kann, sei es als Zorn, Hysterie und Panik bzw. Ärger, Frustration und Sorge. Sollte Ihr Mitarbeiter diese Emotionen zeigen, wäre jetzt der falsche Zeitpunkt für ein rationales Argumentieren und Begründen. Versetzen Sie sich in die Lage des Mitarbeiters: Wie offen wären Sie für sachliche Argumente, wenn Sie selbst emotional sehr aufgewühlt wären?

In dieser emotionalen zweiten Phase gilt es, Empathie zu zeigen, zuzuhören, für den Mitarbeiter da zu sein und Verständnis zu zeigen. Ein wichtiger Hebel ist das proaktive Ansprechen der potenziellen Sorgen, Ängste und Nöte des Mitarbeiters. Hinter der Angst verbirgt sich in der Regel eine reale Bedrohung in seiner Vorstellungswelt. Diese Befürchtungen sind anzusprechen und mit dem Mitarbeiter zu erörtern und zu verhandeln.

In dieser Verhandlungsphase gilt es dann, die Entscheidungen und Begründungen zu wiederholen und den Mitarbeiter in seiner Verhandlung mit sich selbst zu einer Entscheidung zu führen – nämlich wie er selbst lösungs- und zukunftsorientiert die Situation mitgestalten will. Nur so ist es dem Mitarbeiter möglich, in die letzte Phase der Neuorientierung zu gelangen und in der Folge die Situation zu bewältigen.

Das Perfide an der Trauerkurve ist, dass viele Menschen es nicht schaffen, die Verhandlung mit sich selbst zu beenden und teilweise sogar wieder in die emotionalen Vorphasen zurückfallen. Sollten die emotionalen Phasen überhaupt nicht bewältigt werden, so können hier sogar Krankheitsbilder entstehen. Dauerhafte Trauer kann bspw. zu einer Depression werden.

Ebenso ist es nicht immer möglich, den Mitarbeiter bei seinem individuellen Durchleben der Trauerkurve im Moment der Kommunikation der Entscheidung zu unterstützen. Manchmal setzen die Emotionen zeitversetzt ein oder der Mitarbeiter möchte seine Emotionen in der Situation nicht zeigen. Nichtsdestotrotz wird er die Trauerkurve durchleben.

Manchmal sind die Emotionen so stark, dass es sogar sinnvoll ist, einen sogenannten Orts-Zeit-Kontext-Wechsel herbeizuführen. Nehmen Sie ihren Mitarbeiter aktiv aus der Situation, wechseln die den Gesprächsort oder lassen sie ihn erst einmal eine Nacht über die Entscheidung schlafen. Am nächsten Morgen erscheinen die Sorgen von gestern oftmals schon wieder weniger dramatisch.

Zusammenfassend sind folgende Schritte entscheidend:

  1. Kommunizieren Sie Ihre Entscheidungen direkt – MESSAGE FIRST.
  2. Zeigen Sie Empathie in den emotionalen Phasen des Mitarbeiters.
  3. Argumentieren Sie nicht rational, wenn Ihr Mitarbeiter voll in der Emotion ist.
  4. Sprechen Sie proaktiv die Sorgen, Ängste und Nöte Ihrer Mitarbeiter an.
  5. Bleiben Sie lösungs- und zukunftsorientiert.
  6. Führen Sie einen Orts-Zeit-Kontext-Wechsel herbei, wenn Sie die Trauerkurve nicht gleich managen können.

Auch für Sie als Führungskraft sind solche Gespräche oftmals nicht einfach. Gern unterstützen wir Sie auch in der Vorbereitung der Mitarbeitergespräche bzw. geben Ihnen gerne weitere Tipps, wie Sie mit Ihren individuellen Situationen besser umgehen können. Ich freue mich auf Ihren Anruf.

Lars Thiele, Director Leadership & Change
Tel.: +49 30 88 01 99-37
Mail: lars.thiele@kienbaum.de