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Public Management

23. Juni 2026

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3 Minuten Lesezeit

Warum die zukunftsfähige Verwaltung Personalprozesse, Vergütung, Führung und Kultur integriert steuern muss

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Jennifer Hocke

Senior Consultant

Public & Health Care

Jacqueline Beltz

Senior Manager

Public & Health Care

Öffentliche Organisationen sollen schneller, strategischer und zugleich rechtssicher arbeiten. In der Praxis treffen diese Erwartungen jedoch häufig auf enge Stellenprofile, starre Vergütungslogiken und historisch gewachsene Prozesse. Besonders in Vergabestellen wird sichtbar, dass Verwaltungsmodernisierung mehr braucht als neue Workflows oder Leitbilder: Sie braucht ein abgestimmtes Steuerungsmodell, das Leistung ermöglicht, Orientierung schafft und Entwicklung systematisch absichert.

Viele Organisationen des öffentlichen Sektors stellen heutzutage hohe Erwartungen an ihre Mitarbeitenden. Sie sollen effizienter werden. Strategischer. Nachhaltiger. Und dabei ebenso rechtssicher agieren. Zeitgleich sorgen immer neue Gesetzesreformen, die Prozesse unbürokratischer machen sollen, für genau das Gegenteil.

Und genau dies erleben Zentralabteilungen, Fachreferate und gerade auch Vergabestellen im Arbeitsalltag. Komplexere Kompetenzanforderungen treffen auf enge Stellenprofile und starre Vergütungsstrukturen. Pragmatische Lösungen treffen auf historisch gewachsene Prozesse. Führungskräfte sollen Transformation ermöglichen, arbeiten aber selbst in engen Regel- und Berichtssystemen. Vergütungssysteme sollen Leistung abbilden, können neue Formen von Verantwortung, Zusammenarbeit und Wirkung aber oft nur begrenzt erfassen.

Warum Einzelmaßnahmen in der Verwaltung oft zu kurz greifen

Genau hier zeigt sich ein Grundproblem zeitgemäßen Verwaltungshandelns: Die Erwartungen an Leistung verändern sich schneller als die Systeme dahinter, mit denen Leistung ermöglicht, gesteuert und anerkannt wird.

Die Lösung liegt hierbei nicht in immer neuen Einzelmaßnahmen. Es reicht nicht, ein Vergütungselement anzupassen, einen neuen Workflow einzuführen oder ein neues Führungsleitbild zu formulieren, ohne dabei an die Anschlussfähigkeit an Bestehendes und historisch Gewachsenes zu denken.

Moderne Verwaltungen benötigen ein integriertes Steuerungssystem, das fünf Stellhebel miteinander verbindet:

  • Vergütung und Anreizlogik
  • Personalprozesse
  • Führung
  • Kultur
  • Digitale Arbeitsweisen

Steuerungssysstem Verwaltungen.png

 

Der entscheidende Punkt hierbei ist, dass die einzelnen Hebel sich gegenseitig bedingen. Eine moderne Vergütungsarchitektur bleibt wirkungslos, wenn Führung nur Anwesenheit und Fehlervermeidung belohnt. Neue Workflows erzeugen Zusatzaufwand, wenn Prozesse und Kompetenzen nicht mitentwickelt werden. Führungsleitbilder, Zusammenarbeitsinitiativen und neue Personalprozesse greifen zu kurz, wenn Kultur und Anreizsysteme altes Verhalten stabilisieren.

Ein Zielbild für Vergabestellen

Nach der Analyse des hauseigenen Status quo in den Vergabestellen hilft ein abgestimmtes Zielbild bei der Schließung möglicher Lücken und aktueller Risiken. Die Erarbeitung des Zielbildes folgt einem einfachen, aber wirkungsvollen Dreiklang:

  1. Welche Leistung brauchen moderne Vergabestellen künftig wirklich?
    Am Beispiel der Vergabestellen wird deutlich, dass es nicht allein um die korrekte Durchführung eines Vergabeverfahrens geht. Gefragt sind strategische Bedarfsklärungen, Marktverständnis, digitale Kompetenzen, Kommunikationsfähigkeit, Risikobewertung, Wirkungsorientierung und eine enge Zusammenarbeit mit der Fachseite, dem Haushalt, dem Rechtsreferat, der IT und Leitungsebene.
  2. Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit die Beschäftigten in den Vergabestellen diese Leistung erbringen können?
    Hier setzt die ganzheitliche Steuerung an. Rollen werden geschärft. Kompetenzen werden abgeleitet. Führung wird auf Befähigung ausgerichtet. Vergütung und Anerkennung der Leistungen werden mit Verantwortung und Wirkung verbunden.
  3. Wie können Vergabestellen möglichst iterativ vorgehen, dabei Neues lernen und sich stetig weiterentwickeln?
    Ein Zielbild ist kein statischer Endzustand. Es muss in der Praxis erprobt, überprüft und angepasst werden. Dafür braucht es Lernschleifen, Feedback, Pilotierungen, Reflexionsräume und den Mut, aus Erfahrungen Konsequenzen zu ziehen. So wird aus einem abstrakten Anspruch ein handhabbarer Entwicklungsprozess.

 

Abschließend ist ein integriertes Steuerungssystem kein Schnellprogramm. Es berührt Zuständigkeiten, Beteiligungsrechte, Haushaltslogiken, Laufbahnrecht, Tarifstrukturen und Führungskultur. Es verlangt Priorisierung und die Bereitschaft, Zielkonflikte offen zu benennen. Nicht jedes Haus wird alle Hebel gleichzeitig bewegen können, das muss es auch nicht. Entscheidend hierbei ist, nicht wieder in Einzellösungen zurückzufallen und den Mut aufzubringen, iterativ in festen Zyklen vorzugehen und das integrierte Steuerungsmodell kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wer mit Vergütung beginnt, muss Führung, Prozesse und Rollen mitdenken. Wer Kultur verändern will, muss Anreizsysteme, Entscheidungswege und dahinterliegende Workflows mitdenken und anpassen.

Die Modernisierung der Verwaltung entscheidet sich nicht allein an neuen Gesetzen oder zusätzlichen Stellen im Stellenplan. Sie entscheidet sich daran, ob die Behörden ihre Mitarbeitenden befähigen unter komplexen Bedingungen und Polykrisen wirksam zu handeln.

Wenn wir beginnen isolierte Optimierungen ganzheitlich zu betrachten, entsteht echte Verwaltungsfähigkeit für die öffentlichen Organisationen von morgen.

 


Kienbaum unterstützt öffentliche Organisationen dabei, Rollen, Kompetenzen, Vergütung, Führung und Kultur in tragfähige Steuerungsmodelle zu übersetzen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Vergabestellen oder andere Verwaltungsbereiche zukunftsfähig aufstellen möchten.