Erlebt der Arbeitsmarkt einen „Post-Corona-Boom“?

Fachkräftemangel

Erlebt der Arbeitsmarkt einen „Post-Corona-Boom“?

Deutschlands Firmen suchen händeringend Fachkräfte. Doch gibt es diesen Boom auch schon für Führungskräfte? In einigen Bereichen ja, aber unterm Strich fällt die Einschätzung unserer Expertinnen und Experten deutlich differenzierter aus. Der Überblick mit einigen Überraschungen.

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Das ifo-Beschäftigungsbarometer schießt nach oben, vor allem der Maschinenbau, die Elektroindustrie und Personaldienstleister stellen wieder kräftig ein. Nach dem Corona-bedingten Einbruch im April 2020 hat sich der Indikator fast kontinuierlich erholt. Viele weitere Indikatoren weisen in dieselbe Richtung: Die Arbeitsagenturen hätten noch nie eine so starke Verbesserung der Arbeitsmarktlage erwartet, heißt es zum Beispiel vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Jetzt sei das Zeitfenster da für eine starke Arbeitsmarkterholung.

Stellt sich die Frage, ob das auch für Führungskräfte gilt? Unsere Fachleute haben ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen addiert und kommen zu dem Schluss: Die Nachfrage nach Führungskräften wächst punktuell, aber insgesamt nicht so stark wie die nach Fachkräften: „Das Aufstocken der Belegschaft ist aktuell branchenübergreifend ein Trend. Hinsichtlich Führungspositionen betrachten wir die Lage aber etwas differenzierter. Die Nachfrage bezüglich leitender Stellen ist zwar in einzelnen Branchen wieder gestiegen, aber wir haben noch keinen generellen Boom“, fasst Bernhard Walter, Principal, die Lage zusammen.

Besonders hoch ist die Nachfrage nach Beraterinnen und Beratern mit vielfältiger Projekterfahrung in Spezialthemen wie Regulatorik, Risiko-Management und IT derzeit vor allem im Finanzbereich. „Damit holen sich die Unternehmen frischen Input für Ihre Herausforderungen und Transformationsprozesse“, sagt Barbara Thiell, Executive Director bei Kienbaum. Nach dem ersten Lockdown im März 2020 sah das noch ganz anders aus – hier agierten die meisten Firmen zumeist sehr vorsichtig. Nun sind viele Unternehmen im Aufbruch.

„Es werden Kandidatinnen und Kandidaten gesucht, die über Future Skills verfügen und einen transformationalen Führungsstil haben, also Agilität fördern, digital denken und intrinsisch motiviert sind“, sagt Anna-Maria Karl, Executive Search-Director und Spezialistin für HR-Rollen. Dadurch entstehe ein extremer Nachfragemarkt, denn die verhältnismäßig wenigen Profile seien stark umworben.

Kampf um Führungskräfte

Wie hart der Kampf um Führungskräfte in den kommenden Monaten werden wird, hängt nicht nur vom Verhalten der Unternehmen ab, sondern auch von der Wechselwilligkeit der potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten. Zuletzt war die vergleichsweise niedrig. „Relativ viele Mitarbeitende konnten sich zuletzt in der Unsicherheit von Corona eher nicht entschließen, einen Jobwechsel anzugehen“, hat Director Frederik Gottschalck beobachtet. Im Zuge der Corona-bedingten schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg wollten sich viele Führungskräfte nicht in eine Probezeit-Situation begeben oder fanden auch die Liebe zu ihrem jetzigen Job wieder, so die branchenübergreifende Beobachtung. Die Wechsellust dürfte aber bald wieder steigen.

Die Gemengelage macht die Tätigkeit von Top-Personaldienstleistern nur umso wichtiger, beobachtet zum Beispiel Managing Director Thomas Straessle: „Erfreulicherweise hören wir derzeit besonders oft, dass unsere Dienstleistungen als „Intermediär“ zukünftig stark nachgefragt werden, wobei wahrscheinlich mit stärkeren Akzentuierungen und Spezialisierungen.“

Der Trend ist eindeutig: Aktuell haben alle Unternehmen dieselben grundlegenden Herausforderungen im Hinblick auf die personelle Aufstellung. „Wo früher gewisse Lücken noch toleriert wurden, müssen diese nun alternativlos geschlossen werden“, urteilt Sebastian Holmer, Practice Head für den Bereich Digital, Media und Technology. Denn die Arbeitswelt habe sich fundamental verändert: Digitalisierung, Produkt, Vertrieb/Marketing, aber auch ganzheitliche Fragestellungen zur Organisation/Gestaltung/Ausrichtung. Auch die positiv-explosionshafte Geschäftsentwicklung trägt zu einer steigenden Nachfrage bei.

 

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