Neue Arbeitswelt

Workplace Health Management: Gesundheitsmanagement in der Neuen Arbeitswelt

13. September 2018 | Von: Frank Stein
In einer sich disruptiv und dynamisch verändernden sowie zunehmend digitalisierten Arbeitswelt müssen nahezu alle Fach- und Führungskräfte verstärkt unterschiedliche Rollenanforderungen bewältigen, sich selbst regulieren und ihre Verhaltensmuster an verschiedene Settings anpassen: Kunden- und Klientenbedarfe sind vorausschauend zu erfüllen, aber auch die eigene intellektuelle und kreative Leistungsfähigkeit sollte bestenfalls kontinuierlich optimiert werden. Hierbei geraten Beschäftigte selbst in modernen und innovativen Arbeitsumgebungen nicht selten in den Grenzbereich der Überforderung, die erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit sowie Motivation und nicht zuletzt auf leistungskritische Kompetenzen haben kann.

In agilen Organisationsstrukturen mit hohen Anforderungen an Mechanismen der Selbstorganisation sind adaptive Kompetenzen, ein belastbarer Gesundheitszustand und intrinsischer Gestaltungswille ebenso zwingend erforderlich wie die einschlägige Expertise in digitalen Technologien, kreative Ideenfindung oder Offenheit für neue Entwicklungen und Trends.

In Ergänzung zu umfassenden, integrativen Transformationsprozessen müssen Organisationen Voraussetzungen für eine dauerhaft stabile und sich steigernde Leistungsfähigkeit ihrer Fach- und Führungskräfte herstellen. Einzelne und nur punktuell wirksame Interventionen in Form von Trainings oder Workshops reichen bei Weitem nicht aus. Es bedarf hierzu einer strategischen Perspektive auf Mitarbeitergesundheit, welche die Konzepte Kultur, Leadership, aber auch New Work in sich vereint und effektiv nutzbar macht. Zahlreiche Studien- und Metaanalysen* belegen den sich manifestierenden Wertbeitrag einer solchen strategischen Perspektive anhand von verbesserten KPIs (z.B. Fehlzeiten, Präsentismus, Leistugsprozesse in Dienstleistung sowie Produktion).

Einflüsse auf Key Performance Indicators

Diese unter dem Begriff „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ bekannte Perspektive braucht maßgeschneiderte, innovative Lösungen, welche die besonderen Herausforderungen einer sich tiefgreifend wandelnden, auf vielseitig wirksame Technologien angewiesene Arbeitswelt adressieren und integraler Bestandteil eines modernen HRM sein muss. Differenzierte, evidenzbasierte Screenings, die ein umfassendes Assessment der relevanten Einflussfaktoren des Wohlbefindens, der Motivation und Leistungsfähigkeit in einem spezifischen Setting gewährleisten, liefern die Informationsgrundlage für solche Lösungen, die je nach Organisationsstruktur, Branche, Führung und Unternehmenskultur individuell ausgestaltet werden. Umfangreiche Referenznormen, breites Benchmarking und methodisch-diagnostisches Know-How sind die Qualitätssiegel von Health Screenings (auch bekannt unter dem Namen Gefährdungsbeurteilung) mit Fokus auf Rollenanforderungen, Belastungsschwerpunkte, Resilienzfaktoren, aber auch Führungsstile, Organisationskultur und Indikatoren der psychischen Gesundheit, der persönlichen Motivation und des Wohlbefindens. Die Ergebnisse des Screenings lassen sich unmittelbar in Zusammenhang zu KPIs der Gesamtorganisation bringen und bieten valide Hinweise zu wirksamen Mechanismen der Förderung von Leistungsprozessen im Unternehmen.

So kann ein nachhaltig effektives Gesundheitsmanagement entwickelt werden, das an die spezifischen Bedingungen eines Unternehmens angepasst und strategisch bedeutsame Wertbeiträge zur Rentabilität leistet.

*z.B. Harrison, Newman, & Roth, 2006, Academy of Management Journal; Schmidt & Diestel, 2015, Journal of Personnel Psychology