Variable Vergütung

Teile diesen Glossar-Artikel mit deinem Netzwerk

Good to Know

X

GOOD TO KNOW

Vergütungsberatung

Kienbaum unterstützt Sie bei der Erarbeitung von Vergütungs- und Performance Management Systeme. Sprechen Sie uns an.

Was ist „variable Vergütung“?

Variable Vergütung umfasst alle Entgeltbestandteile, die an Leistung, Zielerreichung oder Unternehmenserfolg gekoppelt sind. Dazu zählen u. a. Jahresboni, Provisionen, Prämien, kurzfristige (STI) und langfristige Komponenten (LTI). Üblicherweise ergänzt sie das Fixgehalt und wird über vertraglich definierte Pläne gesteuert. Ziel ist es, Verhalten zu fokussieren, Leistung zu honorieren und strategische Prioritäten zu unterstützen.

Welche Ziele verfolgt variable Vergütung in Unternehmen?

Kernziele sind u.a. Leistungssteigerung, Ausrichtung auf Strategie und die Bindung von Leistungstragenden. Gut designte Systeme fördern Transparenz über Erwartungen und schaffen eine faire, nachvollziehbare Kopplung zwischen Beitrag und Vergütung. Gleichzeitig können variable Anteile Personalkosten flexibilisieren und die Arbeitgeberattraktivität steigern. Wichtig ist, Zielkonflikte zu vermeiden (z. B. Umsatzwachstum vs. Marge) und Team- mit Individualzielen zu balancieren.

Welche Modelle und Instrumente sind in der Praxis üblich?

Kurzfristige Modelle (STI – Short Term Incentive) vergüten i. d. R. Jahresziele wie Umsatz, EBIT, Projektmeilensteine oder Qualitätskennzahlen. Langfristige Modelle (LTI – Long Term Incentive) fördern nachhaltige Wertschaffung, z. B. über Performance Shares, Restricted Cash/Stock oder Phantom-Programme. Im Vertrieb dominieren Provisions- und Bonuspläne mit klaren Zielkurven; im Management häufig Bonuspools mit Unternehmens-, Bereichs- und individuellen Zielen. Start-ups setzen zusätzlich auf Beteiligungsmodelle (z. B. VSOP) als langfristigen Anreiz. Siehe auch ESOP/VSOP für Beteiligungsinstrumente.

Wie werden Ziele definiert und gewichtet?

Ziele sollten „SMART“ (spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch, terminiert) sein und maximal 3–5 priorisierte Kennzahlen bzw. qualitative Kriterien umfassen. Ergänzend sichern „Hygienefaktoren“ oder Gatekeeper (z. B. Compliance-Ereignisse, Mindestmarge) die Ergebnisqualität. Für kundennahe Rollen sind Leading-KPIs (Pipeline-Qualität, Conversion) sinnvoll – nicht nur reine Ergebnis-KPIs. So vermeiden Sie Kurzfristoptimierung und fördern nachhaltige Performance.

Wie funktionieren Zielkurven und Auszahlungslogiken?

Zielkurven legen fest, wie stark Abweichungen vergütet werden (unter-/über-Ziel). Gängig sind lineare, progressive oder degressiv gekrümmte Kurven mit Korridor (z. B. 80–120 % Zielerreichung) und Cap. Erreichte Ziele entsprechen i.d.R. 100 % Zielerreichung; eine Übererfüllung kann darüberliegen, darunter Reduktionen bis Null. Für Vertriebsteams sind Schwellenwerte und Acceleration bei überdurchschnittlicher Performance verbreitet. Transparente Beispiele in der Zielfestlegung vermeiden spätere Auslegungsfragen.

Welche Governance- und Compliance-Aspekte sind wichtig?

Variable Vergütung braucht klare Planregeln (Anspruch, Bemessungszeitraum, Wechsel, Austritt, Krankheit) und belastbare Datengrundlagen. Ein jährlicher Governance-Zyklus umfasst beispielsweise Zielsetzung, Mid-Year-Review, Jahresabschluss, Audit und Kommunikation. Clawback-Klauseln adressieren Fehlverhalten oder falsche Berichte; Malus-Regeln reduzieren Zahlungen bei Qualitätsmängeln. Für Beteiligungsmodelle sind steuerliche Regeln (z. B. Dry-Income-Risiko bei ESOP vs. Auszahlung bei VSOP) zu beachten.

Wie unterscheiden sich variable Vergütungsmodelle nach Zielgruppe?

Im Vertrieb dominieren individuelle, kurzfristige Pläne mit hoher KPI-Transparenz und monatlicher/vierteljährlicher Auszahlung. Für Führungskräfte sind kollektive, mehrjährige Komponenten (LTI) mit Strategie- und Werttreiber-Fokus üblich. Fachrollen außerhalb des Vertriebs profitieren von Bonuspools mit Team- und Projektzielen sowie Qualitäts- und Kostenkennzahlen. Top-Management erhält oft einen Mix aus STI und LTI, wobei Nachhaltigkeits- und Risiko-KPIs zunehmend Teil der Scorecards sind, wie die Kienbaum Performance Management Studie zeigt.

Welche Vor- und Nachteile sollten Sie abwägen?

Die Vorteile umfassen u.a. Leistungsfokus, Flexibilisierung der Personalkosten und eine klare Signalisierung von Prioritäten. Nachteile entstehen durch Überkomplexität, Zielkonflikte, potenzielle Kurzfristorientierung und administrativen Aufwand. Ohne saubere Daten und klare Kommunikation drohen Akzeptanzprobleme. Die Lösung liegt eher in schlanken Plänen, wenigen, relevanten KPIs und einer starken Plan-Governance – inkl. regelmäßiger Wirksamkeitsprüfung und Feedback der Mitarbeitenden.

Wie messen und steuern Sie die Wirksamkeit?

Definieren Sie vorab Erfolgskriterien (z. B. Vertriebseffizienz, Marge, Qualität, Engagement-Scores) und prüfen Sie die Passung zur Auszahlung. Vergleiche (Vorjahr, Peers, Marktbenchmarks) helfen Ihnen, Über- oder Untersteuerung zu erkennen. Ein „Pay-for-Performance“-Check kann sicherstellen, dass hohe Leistungen systematisch mit höheren Auszahlungen einhergehen. Ergänzend empfiehlt sich ein jährliches Review, um KPIs, Gewichtungen und Zielkurven an Strategie und Markt anzupassen.

Praxisbeispiele: Wie sieht das konkret aus?

  • Vertriebsbonus (SaaS): KPIs Umsatz, Netto-Retention, Bruttomarge (Gewichtung 50/30/20); progressive Zielkurve mit Cap 200 %; Quartalsauszahlung, Ramp im 1. Halbjahr.
  • Management-Bonus (Operations): Unternehmens-EBIT (40 %), CAPEX-Effizienz (30 %), Lieferqualität (30 %); Malus bei Compliance-Vorfall; Jahresauszahlung.
  • Team-Prämie (Entwicklung): Release-Termintreue (50 %), Security-Findings (25 %), NPS interner Kund:innen (25 %); kombinierte Team- und individuelle Ziele zur Kollaboration.

Weiterführende Informationen/Definitionen

ESOP / VSOP Mehr erfahren
|
https://www.kienbaum.com/glossar/zielvereinbarung/ Mehr erfahren
wpv-view name=”verwandte-glossarbeitraege”

Verwandte Informationen


Publikationen

Alle entdecken →

Was HR die Unternehmen kostet | HR-Kostenstudie

Studie vom 5. Februar 2026 – Von Kai Helfritz und Prof. Dr. Walter Jochmann , Julian Simée

Entgeltgleichheit in der Ver- und Entsorgungswirtschaft: Pflicht oder Chance?

Studie vom 27. November 2025 – Von Marisol Hayler und Arne Sievert

Vorstandsvergütung in Versicherungsunternehmen

Whitepaper vom 18. November 2025 – Von Dr. Julia Leitl-Civan und Alexander Ley , Dr. Sebastian Pacher

Vergütungsberatung

Kienbaum unterstützt Sie bei der Erarbeitung von Vergütungs- und Performance Management Systeme. Sprechen Sie uns an.

Ihre Rückfrage zu Variable Vergütung

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
Mit Ihrer Kontaktaufnahme erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre personenbezogenen Daten an die Kienbaum Consultants International GmbH weitergeleitet und zum Zwecke der notwendigen Verarbeitung verwendet werden. Gleichzeitig erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung der Kienbaum Consultants International GmbH einverstanden.
Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
Disclaimer

Bitte beachten Sie, dass die Inhalte unserer Website, einschließlich etwaiger Rechtsbeiträge, ausschließlich der allgemeinen Information dienen und keine Rechtsberatung darstellen. Diese Informationen können und sollen keine individuelle und verbindliche Rechtsberatung ersetzen, die auf deine spezifische Situation eingeht. Alle bereitgestellten Informationen erfolgen daher ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.