Gehaltsrunde 2022/23:
Was erwarten die Arbeitnehmenden?

Gehaltsrunde 2022/23:
Was erwarten die Arbeitnehmenden?

Die hohe Inflation setzt die Unternehmen mit Blick auf die anstehende Gehaltsrunde unter erheblichen Druck. Ihre Mitarbeitenden erwarten, dass sie auf die steigenden Lebenshaltungskosten mit entsprechenden Gehaltsanpassungen reagieren. Der Beitrag gibt einen Einblick in die Erwartungen der Mitarbeitenden an ihre Arbeitgebenden.

Lesedauer: 3 Minuten

Die Gehaltsrunde 2022/23 steht unter besonderen Vorzeichen. Die hohe Inflation und die damit verbundenen hohen Erwartungen vieler Beschäftigten an eine deutliche Gehaltsanpassung sowie die unsichere gesamtwirtschaftliche Lage machen es für die Unternehmen deutlich komplizierter, die Budgets für die anstehende Gehaltsrunde festzulegen.

Die Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose 2023 zeigt auf, dass rund 97% der befragten Unternehmen von erhöhten Erwartungen der Mitarbeitenden berichten. Die Unternehmen stehen demnach unter erheblichen Druck, auf die steigenden Lebenshaltungskosten ihrer Mitarbeitenden mit Gehaltsanpassungen zu reagieren. In Zeiten des Fachkräftemangels erscheint es schwierig sich diesem Druck zu entziehen. Gleichzeitig sorgt die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage für Anspannung bei der Kostenstruktur der Unternehmen und Anpassungen in den Gehaltsbudgets müssen wohlüberlegt sein.

Um ein besseres Verständnis der Stimmungslage der Arbeitnehmenden zu erlangen, hat Kienbaum 1.000 Arbeitnehmende zu ihren Eindrücken und Erwartungen bzgl. der anstehenden Gehaltsrunde befragt. Dieser Blogartikel gibt Einblicke in die Stimmung unter den Mitarbeitenden.

Die Erwartungen sind durchaus realistisch – Aber eigentlich wollen die Arbeitnehmenden mehr

Unter den 1.000 Befragten gaben 28% an, dass sie mit einer, der aktuellen Inflation entsprechenden, Gehaltserhöhung zum Jahreswechsel rechnen. 58% der Befragten gaben hingegen an, dass sie mit keiner deutlichen Gehaltsanpassung rechnen

Mit Blick auf die erwartete Gehaltsanpassung wiesen die befragten Unternehmen in der Gehaltsentwicklungsprognose eine geplante durchschnittliche Steigerung von 4,9% für die Gehälter in Deutschland aus. Die Pläne der Arbeitgeber scheinen dabei vergleichsweise nah bei den Erwartungen der Arbeitnehmenden zu liegen. Diese gaben eine durchschnittliche Erwartung von 4,6% für die anstehende Gehaltsrunde an. Auf die Frage, in welcher Höhe die Arbeitgeber auf die hohe Inflation reagieren sollte, zeigen sich deutlich höhere Werte. Hier nannten die befragten Arbeitnehmenden eine geforderte Gehaltserhöhung von im Durchschnitt 9,3%.

Die Arbeitnehmenden schielen auf die „Inflationsprämie“

Die Bundesregierung ist sich der drohenden Lohn-Preis Spirale bewusst und stellt Kapital zur Verfügung, um den Bürger:innen bei den steigenden Lebenshaltungskosten unter die Arme zu greifen und gleichzeitig die Belastung für die Unternehmen zu verringern. So wurde im Oktober 2022 beschlossen, dass die Arbeitgebenden in den kommenden zwei Jahren bis zu 3.000€ steuer- und sozialversicherungsfrei an ihre Arbeitnehmenden auszahlen können.

Immerhin 50% der befragten Arbeitnehmenden bewerten eine solche Sonderzahlung als sinnvolle Alternative zu einer Erhöhung des Fixums. Auf Ebene des Top Managements und der Bereichsleitung sehen dies sogar 60% der Befragten so.

58% der befragten Arbeitnehmenden sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber die Möglichkeit einer solchen zusätzlichen Sonderzahlung wahrnehmen sollte. Erstaunlicherweise geben 55% der befragten Arbeitnehmenden an, dass sie auch mit weniger als den möglichen 3.000€ zufrieden wären. Der durchschnittliche Betrag, welcher von den Arbeitnehmenden erwartet wird, liegt bei 2.200€. 36% der Befragten erwarten exakt die möglichen 3.000€ von ihrem Arbeitgeber als Sonderzahlung.

Arbeitnehmende fordern deutlich mehr 

Die Befragung der Arbeitnehmenden zeigt, dass die Erwartungshaltung gegenüber ihren Arbeitgebenden zwar durchaus realistisch ist, jedoch grundsätzlich die Anspruchshaltung zu bestehen scheint, dass die Arbeitgebenden mehr tun. Die Unternehmen sind sich dieser Erwartungshaltung bewusst und berücksichtigen diese in ihren geplanten Handlungen. Potenzielle Maßnahmen wie die Auszahlung der „Inflationsprämie“ sind in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen, stellen sie doch für einen beträchtlichen Anteil der Arbeitnehmenden ein mögliches Substitut zur Anhebung der Fixgehälter dar. Die Erwartung, dass die Arbeitgebenden dieses Mittel nutzen, ist unter den Arbeitnehmenden weit verbreitet.

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