Prognose
30. September 2026
|6 Minuten Lesezeit
Gehaltsentwicklung 2027: Die nächste Gehaltsrunde wird selektiver
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Die Zeit breiter Gehaltssteigerungen scheint vorerst vorbei. Für 2027 rechnen Unternehmen in Deutschland im Durchschnitt mit einem Gehaltsplus von 2,6 %. Gleichzeitig verändert sich, wie Unternehmen ihre Budgets einsetzen: Der Fachkräftemangel verliert als allgemeiner Gehaltstreiber deutlich an Bedeutung, während Leistung, Schlüsselpositionen und die wirtschaftliche Situation des eigenen Unternehmens stärker in den Mittelpunkt rücken. Das zeigt die aktuelle Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose 2027.
Die Gehaltsplanung bleibt auch 2027 von hoher wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit geprägt. Gleichzeitig haben sich wichtige Rahmenbedingungen gegenüber den vergangenen Jahren verschoben: Die Inflation hat sich von ihren Höchstständen entfernt, der Arbeitsmarkt entspannt sich aus Sicht vieler Arbeitgeber und der Fachkräftemangel verliert als allgemeiner Treiber der Gehaltsentwicklung an Bedeutung. Unternehmen reagieren darauf mit einer vorsichtigeren Gehaltsplanung – und setzen ihre verfügbaren Budgets zunehmend gezielter ein.
In Deutschland erwarten die befragten Unternehmen über alle Hierarchieebenen hinweg eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von 2,6 %. Bei einer für die Studie zugrunde gelegten Inflationsprognose von 2,3 % (Quelle: IMF inflation forecast 26.08.2026) entspricht dies einem kleinen realen Gehaltszuwachs von rund 0,3 Prozentpunkten.
Gehaltsentwicklungsprognose & Inflation

Abbildung 1: Gehaltsentwicklungsprognose und Inflation im Zeitverlauf
Bemerkenswert ist dabei, wie ähnlich die Planungen für die verschiedenen Hierarchieebenen ausfallen: Top Management 2,5 %, Senior Management 2,4 %, Middle Management 2,5 % sowie Lower Management und Spezialist:innen und Fachkräfte jeweils 2,6 %. Während sich die Gehaltsentwicklung zwischen den Ebenen in früheren Jahren teilweise deutlicher unterschieden hat, liegen die Erwartungen für 2027 sehr eng beieinander. Gleichzeitig fällt die Gesamtprognose mit durchschnittlich 2,6 % erstmals seit 2021 wieder unter die Marke von 3 %.
Auch zwischen den Branchen ist die Varianz gering: Die durchschnittlich erwarteten Gehaltssteigerungen liegen überwiegend zwischen 2,2 % und 2,9 % und damit relativ nah am Gesamtwert von 2,6 %.
Der Fachkräftemangel verliert seine Rolle als Gehaltstreiber
Bei der Frage, was die wesentlichen Treiber der Gehaltserhöhungen sind, steht die Performance des eigenen Unternehmens an erster Stelle. Für 52 % der Befragten ist sie ein wesentlicher Treiber der Gehaltsentwicklung. Die Gehaltsrunde orientiert sich damit stärker an der Frage, welchen finanziellen Spielraum das Unternehmen tatsächlich hat. Gleichzeitig vollzieht sich beim Fachkräftemangel ein bemerkenswerter Bedeutungswandel. Noch 2025 war er in Deutschland mit 52 % der wichtigste Treiber der Gehaltsentwicklung. Für 2027 nennen ihn über alle Befragten hinweg nur noch 25 % – damit fällt er auf den letzten Platz der abgefragten Einflussfaktoren. Unternehmen können bei Einstellungen wieder stärker selektieren. Gleichzeitig bleibt es anspruchsvoll, besonders gefragte und leistungsstarke Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.
Recruiting wird leichter – der Gehaltsdruck bleibt
55 % der Unternehmen berichten, dass offene Stellen heute leichter zu besetzen sind als noch vor einem Jahr. In der vorherigen Erhebung waren es 46 %. Gleichzeitig beobachten 26 % sinkende Gehaltsvorstellungen bei Bewerbenden – gegenüber 15 % im Vorjahr. Von einem Ende des Gehaltsdrucks kann dennoch keine Rede sein. 71 % der Unternehmen gehen weiterhin davon aus, dass der Druck auf wettbewerbsfähige Gehälter bestehen bleibt. Gerade bei der bestehenden Belegschaft wirken Marktvergütung, interne Gehaltsrelationen und Erwartungen an eine faire Entwicklung weiter.
Für Personalverantwortliche entsteht daraus eine anspruchsvollere Situation: Der externe Arbeitsmarkt entspannt sich, aber daraus folgt nicht automatisch, dass bestehende Gehaltsniveaus sinken. Auch wenn neue Mitarbeitende theoretisch günstiger rekrutiert werden könnten, können starke Gehaltsunterschiede bei vergleichbarer Arbeit die internen Vergütungsrelationen unter Druck setzen.
Rekrutierung & Gehaltsdruck
![]() Abbildung 2: Fällt es heute leichter als vor einem Jahr, offene Stellen zu besetzen? |
![]() Abbildung 3: Bleibt der Druck auf die Gehälter mittelfristig bestehen? |
Aus breiter Verteilung wird gezieltere Steuerung
Knapp die Hälfte der Unternehmen plant, Gehaltserhöhungen gezielt auf High Performer und Schlüsselpositionen zu konzentrieren. Gleichzeitig wollen 33 % die anstehende Gehaltsrunde nutzen, um bestehende Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern zu adressieren.
Die Gehaltsrunde wird damit stärker zum strategischen Steuerungsinstrument. Gerade bei begrenzten Mitteln geht es nicht mehr allein darum, einen einheitlichen Prozentsatz festzulegen. Unternehmen müssen entscheiden, welche Rollen für den Geschäftserfolg besonders relevant sind, wo Bindungs- oder Marktrisiken bestehen und wo gezielte Anpassungen notwendig sind.
Gleichzeitig sind die Spielräume dafür höchst unterschiedlich. In Deutschland kann knapp die Hälfte der Unternehmen ihr Gehaltserhöhungsbudget vollständig frei einsetzen. Bei mehr als einem Viertel sind hingegen bereits über 75 % durch externe oder regulatorische Vorgaben gebunden. Besonders groß ist der Unterschied zwischen Unternehmen mit und ohne Tarifbezug: Nur 7 % der tarifgebundenen Unternehmen können vollständig frei über ihr Budget verfügen, gegenüber 76 % der Unternehmen ohne Tarifbezug.
International bleibt die Spannweite groß
Der Blick über Deutschland hinaus zeigt z. T. deutliche Unterschiede. In den 22 untersuchten EU-Ländern reichen die durchschnittlichen Prognosen von 2,3 % bis 5,5 %; beispielsweise werden für Österreich 2,9 %, für Ungarn 5,5 % und für Rumänien 4,9 % erwartet. Auch unter den 19 untersuchten Nicht-EU-Ländern bestehen große Unterschiede: Die Schweiz liegt bei 1,1 %, die USA bei 2,7 %, Japan bei 3,1 %, Indien bei 5,4 % und die Türkei aufgrund ihrer besonderen Inflationssituation bei 20,7 %.
Zur Studie:

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