Kienbaum Convention
13. Juli 2026
|7 Minuten Lesezeit
Lead the Shift: Warum HR jetzt Gestaltungskraft und Wirkung beweisen muss
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Die Kienbaum Convention 2026 zeigte HR an einem Wendepunkt. KI, Transformation, wirtschaftlicher Druck und neue Erwartungen an Führung verändern die Agenda grundlegend. Unter dem Leitmotiv Lead the Shift – People. Future. Value. wurde deutlich, dass People Management heute mehr leisten muss, als Zukunft zu beschreiben. HR muss Organisationen befähigen, Wandel wirksam zu gestalten, Human Capability aufzubauen und den eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg sichtbar zu machen.
Lead the Shift: Vom Motto zur Managementaufgabe
Nach 25 Jahren kehrte die Kienbaum Convention 2026 an die Malteser Kommende in Ehreshoven bei Köln zurück, wo das Format einst entstanden ist. Ein Ort, der dem Jubiläum mehr gab als einen ansprechenden Rahmen. Mit rund 280 Teilnehmenden kamen kamen bei bestem Wetter persönlicher Austausch, vertrauliche Gespräche und strategische Impulse bewusst zusammen. 
Zu den prägenden Stimmen gehörten Dave Ulrich, einer der international einflussreichsten Vordenker des modernen HR-Managements, Prof. Dr. Walter Jochmann (Kienbaum) und Fabian Kienbaum. Als Gastgeber und Gesprächspartner brachte der Geschäftsführende Gesellschafter von Kienbaum den unternehmerischen Blick auf Leadership, Transformation und KI ein.
Im Mittelpunkt stand das Leitmotiv Lead the Shift – People. Future. Value. HR soll nicht nur erklären, was sich verändert, sondern mitgestalten, wie Unternehmen damit umgehen. Denn der Druck ist real. Wachstum wird schwieriger, KI verändert Arbeit und Entscheidungen, Skills verlieren schneller an Halbwertszeit und viele Organisationen spüren, dass Transformation nicht beliebig oft ausgerufen werden kann. Genau in diesem Spannungsfeld entscheidet sich, welche Rolle People Management künftig einnimmt. Bleibt HR vor allem bei Prozessen stehen oder übernimmt People Management eine aktivere Rolle, wenn es um Leistungsfähigkeit, Führung und Veränderung geht?
People: Leistung beginnt bei Menschen
Der Begriff People wurde auf der Convention nicht als weicher Gegenbegriff zum Business verwendet, sondern als Teil der Leistungsfrage. Wenn Unternehmen schneller, lernfähiger und robuster werden wollen, reicht es nicht, Strukturen zu verändern oder neue Technologien einzuführen. Entscheidend ist, ob Menschen in den veränderten Rollen handlungsfähig bleiben. Nur dann, wenn Menschen befähigt werden, mit Technologien bessere Entscheidungen zu treffen, neue Aufgaben anzunehmen und Veränderung aktiv mitzugestalten, kann die Technologie Bestandteil der Zukunft sein.
Das zog sich durch viele Beiträge des Tages, in denen es um Führung, Kultur, psychologische Sicherheit, neue Kompetenzprofile und die Frage, wie Mitarbeitende in KI-gestützten Prozessen Verantwortung übernehmen können, ging.
Die People-Perspektive wurde auf der Convention Stage in mehreren Formaten vertieft: Khadija Ben Hammada (Merck), sprach in einem moderierten Interview. Jochen Brenner (Procter & Gamble) und Maria Zerhusen (Empion) brachten in ihrer gemeinsamen Keynote Perspektiven aus Unternehmenspraxis und Research ein.

Dave Ulrich auf der Convention Stage
Wenn administrative Aufgaben durch KI wegfallen, entsteht nicht automatisch mehr Wert. Rollen müssen neu definiert, Skills weiterentwickelt und Führungskräfte in die Lage versetzt werden, Orientierung zu geben. Für HR bedeutet das, dass People-Themen keine Ergänzung zur Business-Agenda sind, sondern ein Teil davon. Human Capability wird damit zum Wettbewerbsfaktor.
Keynote Speaker und HR-Vordenker aus den USA, Dave Ulrich, unterstützte in seinem Auftritt die Stakeholder-Perspektive. HR darf seinen Wert nicht nur an internen Programmen und Prozessen messen. Am Ende ist entscheidend, was diese Arbeit für Kunden, Investoren, Mitarbeitende und die Zukunftsfähigkeit der Organisation ermöglicht.
Future: KI nicht als Tool betrachten

Prof. Dr. Walter Jochmann (Kienbaum) in seiner Keynote zur aktuellen Entwicklung von HR
Der zweite große Strang des Tages war die Zukunft der Arbeit und damit ging es sehr schnell um das Thema KI. Bemerkenswert waren die Impulse, in denen KI nicht als technische Neuerung verstanden wurde, sondern als Eingriff in Arbeit, Rollen, Prozesse und Verantwortung. Prof. Dr. Walter Jochmann, Kienbaum-Partner und langjähriger Beobachter und Gestalter der HR-Transformation, machte diesen Handlungsdruck in seinem traditionellen Vortrag zur Lage und Zukunft von HR besonders deutlich: Viele Unternehmen schauen in einem wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld stärker auf Optimierung und Konsolidierung, während sich die Anforderungen an HR zunehmend verändern. KI kann vor allem in Administration, Learning und Recruiting spürbar entlasten. Aber frei werdende Kapazitäten erzeugen nicht automatisch einen Wertbeitrag. HR muss klären, welche Arbeit wichtiger wird, welche Skills gebraucht werden und wie der HR-Bereich selbst schneller und wirksamer arbeiten kann.
Im Future-Panel diskutierten Stefanie Peters (NEUMAN & ESSER), Iris Prüfer (MediaMarktSaturn Retail Group) und Dagmar Reinhold (Klosterfrau Gruppe) über die Anforderungen, die technologische und organisationale Transformation an Führung stellt. BKA-Vizepräsidentin Helen Albrecht sprach über das Thema aus der Perspektive des Bundeskriminalamts. Dort verändert KI nicht nur interne Abläufe, sondern auch die Dynamik von Bedrohungen. Angriffe werden schneller, skalierbarer und professioneller. Zugleich hilft KI, große Datenmengen auszuwerten und Prozesse zu unterstützen. Um aber vom Use Case in den Regelbetrieb zu kommen, braucht es ein integriertes KI-Betriebsmodell.

Im Paneltalk zum Thema KI als Führungsaufgabe: Jessica Springfeld, Stefanie Peters, Dagmar Reinhold, Iris Prüfer (v.l.n.r.)
Value: Der Wertbeitrag wird zur Bewährungsprobe
Den Value-Strang eröffnete Vonovia CHRO Ruth Werhahn im Interview mit Walter Jochmann. Später vertieften in seinem Vortrag Dr. Gregor Imelauer (KrausMaffei) sowie in einem Interview Angelika Kambeck (TKMS) die Frage, wie HR seinen Beitrag zu Transformation und Unternehmensleistung konkretisieren kann.
Value war vielleicht der anspruchsvollste Teil des Leitmotivs. Nicht, weil der Wertbeitrag für HR ein neues Thema wäre. Sondern weil dieser unter den aktuellen Bedingungen anders eingefordert wird. Wenn Budgets enger werden, Produktivität stärker in den Fokus rückt und KI operative Arbeit verändert, reicht es nicht mehr, die Relevanz von People-Themen gut zu erklären.
Walter Jochmanns Impuls setzte genau dort an. Wenn Workforce-Kosten einen erheblichen Teil des Unternehmensaufwands ausmachen und HR zugleich stärker zur Transformationsfunktion werden soll, genügt es nicht, Prozesse zu verbessern oder Programme aufzusetzen. Entscheidend ist, ob HR die richtigen Fragen stellt. Welche Fähigkeiten brauchen wir wirklich? Wo entstehen Engpässe? Welche Rollen verändern sich? Wie steuern wir Leistung, Nachfolge und Kosten, ohne Zukunftsfähigkeit einzusparen?

Live-Podcast „So klingt Wirtschaft“ mit Jessica Springfeld (Handelsblatt), Fabian Kienbaum, Lionel Souque (REWE)
Den Abschluss der Convention bildete eine Aufzeichnung des Handelsblatt-Podcasts „So klingt Wirtschaft“. REWE CEO Lionel Souque und Fabian Kienbaum sprachen über den „Supermarkt der Zukunft“. Am Beispiel von REWE diskutierten die Unternehmer, wie KI Sortimentsentscheidungen, personalisierte Angebote, Self-Checkout-Lösungen und operative Abläufe im Markt unterstützen kann. Gleichzeitig stand im Fokus, dass der Supermarkt nicht nur ein Ort der Versorgung ist. Für viele Menschen ist er auch ein sozialer Kontaktpunkt. Technologie schafft hier also nicht deshalb Wert, weil sie Menschen ersetzt. Stattdessen liegt ihr Nutzen darin, bessere Entscheidungen zu ermöglichen, Arbeit zu erleichtern und gleichzeitig Raum zu lassen für Nähe, Beratung und Vertrauen.
Hier wurde Value greifbar. Der Wertbeitrag entsteht nicht durch mehr HR-Aktivität, sondern durch fundierte Entscheidungen an den Stellen, an denen Menschen, Organisation und Geschäft wirklich zusammenkommen.
Fazit: Der Shift wartet nicht auf HR
Die Kienbaum Convention 2026 hat deutlich gemacht, dass sich HR nicht mehr auf die Rolle des Begleiters beschränken kann. KI verändert Arbeit und Entscheidungen schon jetzt, Märkte verlangen mehr Tempo, und in vielen Organisationen wächst der Druck, Produktivität und Innovationskraft unter schwierigeren Bedingungen zu sichern. Die Frage ist deshalb nicht, ob HR gebraucht wird, sondern wofür. Bleibt HR bei Prozessen und Programmen stehen, wird es an Bedeutung verlieren. Nimmt People Management den Anspruch von Lead the Shift – People. Future. Value. ernst, kann es helfen, die Zukunft zu konkretisieren. Die Botschaft des Tages war damit klar. HR wird nicht kleiner, weil KI größer wird. Aber HR muss sich verändern, um relevant zu bleiben. Wer den Shift führen will, braucht Klarheit, Mut und ein Verständnis von Human Capability, das über gute Absichten hinausgeht.
Zum Videorückblick und weiteren Fotos der Kienbaum Convention
Wo People, Future und Value zusammenkommen, beginnt die konkrete Transformationsarbeit. Kienbaum begleitet Unternehmen dabei, ihre HR- und People-Strategie zu schärfen, Operating Models und Rollen neu auszurichten, Workforce- und Skill-Bedarfe zu übersetzen und Führung in der Umsetzung zu stärken. So wird aus dem Anspruch „Lead the Shift“ ein messbarer Beitrag zu Leistungs- und Zukunftsfähigkeit.